Freitag, 25. Juli 2014

Ausstellung zur Porträtmalerei von Emil Szymannsky

“Der Malakt als solcher soll sichtbar werden”

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Selbstbildnis von Emil Szymannsky.

 

Heddesheim/Rhein-Neckar, 28. Februar 2012. (red/sap) Der Heddesheimer Kunstverein zeigt noch bis zum 01. April 2012 Bilder des Frankenthaler Expressionisten Emil Szymannsky (1903 bis 1983). Der Viernheimer Kunsthistoriker Stefan Ackermann hielt die Laudatio. Der Sohn des Künstlers, Rainer Szymannsky, war anwesend.

Von Sabine Prothmann

Großartig sind die 26 Ölbilder, Pastelle und Handzeichnungen des Frankenthaler Künstlers Emil Szymannsky, die der Heddesheimer Kunstverein seit Sonntag unter dem Titel „Das Bild des Menschen in der Malerei von Emil Szymannsky“ im Alten Rathaus ausstellt.

Gut vierzig Gäste waren zu der Vernissage ins Alte Rathaus gekommen und waren sichtlich begeistert von den ausgestellten Kunstwerken.

Der 1903 geborene und 1983 in Frankenthal verstorbene Künstler gehörte zu den Wegbegleitern des deutschen Expressionismus. Das Konzept für diese Ausstellung wurde von dem Viernheimer Künstler Stefan Birker und dem Sohn des Künstlers, Rainer Szymannsky, aus dem Arbeitszyklus der Porträtmalerei zusammengestellt.

Emil Szymannsky (1903-1983), gehört zu der zweiten Generation der Pfälzer Künstler die in der expressiven Malweise arbeiteten. Maler sein“ bedeutet glücklich sein im wahrsten Sinne, denn jede geliebte Tätigkeit bedeutet Glück“. Mit dieser Lebensphilosophie besuchte er die Kunstgewerbeschule in Mannheim, studierte in Karlsruhe und München und wurde zweimal mit dem Akademie der bayerischen Hauptstadt ausgezeichnet, heißt es in dem Pressetext seines Sohnes zu der Ausstellung.

Studienreisen führten ihn nach Frankreich, Holland, Italien und Österreich, weiteten seinen Blick, ließen ihn zu einer eigenständigen „Künstlerpersönlichkeit“ heranwachsen. Seine Werke befinden sich heute in städtischen, staatlichen und privaten Sammlungen.

Akademiepreis der Stadt München

Bereits 1928 erhielt für seine Porträtmalerei mit dem Ölbild „Sitzender Mann“ den Akademiepreis der Stadt München.

Szymannsky muss den Vergleich mit den ganz großen Expressionisten wie Emil Nolde oder Paul Cèzanne nicht scheuen, wie der Viernheimer Kunsthistoriker Stefan Ackermann in seiner Laudatio eindrücklich demonstrierte.

Schon in der Volksschule wurde man auf das künstlerische Talent aufmerksam und empfahl ihm, die Kunstgewerbeschule in Mannheim zu besuchen, von dort ging es an die Karlsruher Kunstakademie, erzählt Stefan Ackermann.

Ein zweijähriges Stipendium der Stadt Frankenthal führte Szymannsky an die Münchner Kunstakademie und seine Kunst zur Avantgarde.

Er löst sich immer mehr vom Gegenständlichen und wird frei für die Moderne. In dieser Phase erhält er auch den Akademiepreis, so Ackermann.

Doch die Bindung an die Heimat ist groß und so geht Szymannsky 1931 zurück nach Frankenthal und arbeitet als freischaffender Künstler.

Wäre er damals nach Berlin gegangen, mutmaßt Ackermann, wäre er mit dieser „malerischen Potenz“ sicher einer von den großen Expressionisten geworden.

Nach dem Krieg arbeitete er als Industriegrafiker und Restaurator.

Mit seinen Bildern decke Szymannski die komplette Malerei ab, von Aquarell über Pastell bis hin zu Öl auf Leinwand. Vor allem die Handzeichnungen zeigten „er ist hochbegabt, denn die Striche müssen sitzen“.

Landschaft, Stillleben, Portrait, Akt, Tiere – er widmet sich allen Sujets.

Drei grundlegende Elemente in Szymannskys Malerei

Ackermann hebt drei grundlegende Elemente in Szymannskys Malerei hervor: Zum einen betätigte er sich als malerischer Baumeister, das Bild wird wie durch Bausteine aufgebaut, dies geschähe durch die sichtbaren, teilweise breiten Pinselstriche.

„Den Malakt als solchen sichtbar werden zu lassen“ – dies, so Ackermann, gab es erst ab dem Impressionismus.

Das zweite sei die figurale Verräumlichung: Das Verhältnis von Figur und Umraum sei hierbei mitbestimmend für die Gesamtwirkung.

Und als drittes die Farbe: Eine erlesene Farbwahl und ein delikates Farbspiel verbunden mit einer aparten Farbenkombination. Die Farbstriche, -bahnen und –tupfer setzten dabei Akzente und das Gemalte ins rechte Licht.

Anhand von drei Bildern demonstriert dies der Viernheimer Kunsthistoriker.

Vor allem bemerkenswert ist die Betrachtung eines Selbstbildnisses. Was, wie Ackermann betont, für den Künstler immer eine Selbstvergewisserung darstellt.

Es ist ein dreiviertel Akt in einer Durchgangssituation. Emil Szymannsky stellt sich mit einer großen Farbpalette in der einen und einem Pinsel in der anderen Hand dar.

Das Bild besticht durch glühende Farben und großflächigen Farbauftrag. Bemerkenswert ist vor allem die Gesichtslosigkeit der Figur. Kaum angedeutet kann man vielleicht noch eine Nase erkennen.

„Warum verzichtet er auf die Binnendifferenzierung im Selbstbildnis?“,

fragt der Kunsthistoriker. Denn an der Fähigkeit mangele es nicht, was Szymannsky in anderen Portraits eindrucksvoll unter Beweis stelle.

„Er verzichtet darauf, um die Fläche zu haben. Farbfläche kommt zu Farbfläche“,

interpretiert Ackermann.

Zahlreiche Ausstellungen im In– und Ausland haben ihm hohe Wertschätzungen und Beachtungen eingebracht, die ihm bis heute erhalten geblieben sind.

Szymannskys Sohn Rainer kümmert sich seit dessen Tod 1983 um den Nachlass. Eine Totalretrospektive des Werks von Emil Szymannsky wird ab dem 03. Juni 2012 im Neckarhausener Schloss zu sehen sein.

Die Ausstellung im Heddesheimer Rathaus ist noch bis zum 01. April 2012, immer sonntags von 14:00 bis 17:00 Uhr, im Alten Rathaus zu sehen.

Viel Freude mit den Bildern: