Sonntag, 19. Mai 2013

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Der Kleinkrieg des Herrn K. und sein “heddesheimblog-Erlass”

Guten Tag!

Heddesheim, 30. Januar 2010. Der Heddesheimer BĂŒrgermeister Michael Kessler ist fest entschlossen, sich selbst und den Ruf seiner Gemeindeverwaltung zu beschĂ€digen. Anders lĂ€sst sich die peinliche AbsurditĂ€t seines Kleinkriegs gegen das heddesheimblog und jeden, der mutmaßlich damit zu tun hat, nicht erklĂ€ren.

Kommentar: Hardy Prothmann

WĂ€hrend landauf, landab Journalisten mit kritischem Blick auf das heddesheimblog schauen und ĂŒberlegen, ob unsere Arbeit die “Zukunft des Lokaljournalismus” sein könnte, wĂŒnscht sich der Heddesheimer BĂŒrgermeister Michael Kessler die glorreiche Vergangenheit zurĂŒck.

Glorreich war diese, weil er darin so glorreich war. Kein Wort der Kritik wurde ĂŒber ihn geschrieben. Im Mitteilungsblatt bestimmt er bis heute selbst, wie glorreich er ist, das Verlautbarungsorgan Mannheimer Morgen transportiert bis heute unkritisch und gefolgsam seine Heilsbotschaften fĂŒrs Heddesheimer Volk.

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Verengter Blick: Jedes bĂŒrokratische Register wird gezogen. Bild: hblog

Seit Mai 2009 ist Herr Kessler in Not. Seitdem berichtet das heddesheimblog kritisch auch ĂŒber ihn und die Arbeit der Verwaltung. Kritisch heißt: Wir schreiben das Positive genauso auf wie das Negative.

Dem BĂŒrgermeister schmeckt das nicht, weil er keine Kontrolle darĂŒber hat. FĂŒr einen Kontrollfreak wie ihn muss das eine Qual sein.

BĂŒrokratische HĂŒrden

Also versucht er in einem absurden Stellungskrieg das heddesheimblog einzukesslern und sich so Erleichterung zu verschaffen, indem er es uns schwer macht. Dabei zieht er alle bĂŒrokratischen Register, die ihm einfallen.

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Artikel vom 28. Januar 2009. Wolfgang Unverricht wird ausgiebig zitiert. Quelle: MM

Die Mitarbeiter lĂ€sst er eine Verwaltungsanordnung unterschreiben, mit der diese in Kenntnis gesetzt werden, dass Presseanfragen kĂŒnftig nicht beantwortet werden dĂŒrfen, sondern ans Rathaus, also ihn, weitergeleitet werden mĂŒssen.

Der Anlass: Unsere Berichterstattung ĂŒber die Öffnung der Eisbahn.

Konsequenterweise mĂŒsste er deshalb den Leiter des Bauhofs, Wolfgang Unverricht, abmeiern. Denn der hat mit dem Mannheimer Morgen geredet, wie dieser Artikel vom 28. Januar 2010 beweist (siehe Bild rechts).

Herr Unverricht wird nicht abgemeiert werden – denn der Ukas in Sachen Presse gilt nicht fĂŒr das Haus- und Hofblatt Mannheimer Morgen oder andere. Es gilt ausschließlich fĂŒr das heddesheimblog. Es handelt sich um den “heddesheimblog-Erlass”.

Vasallen werden vorgeschickt

zitat

Artikel-Ausschnitt. Zum VergrĂ¶ĂŸern bitte klicken. Quelle: MM

Auch das heddesheimblog wollte gerne zum selben Thema mit dem Bauhofleiter sprechen und wandte sich an die Gemeinde. Dort verlangte man die schriftliche Einreichung unserer Fragen.

Journalistische Anfragen darf das heddesheimblog nur noch an diese Adresse richten: gemeinde@heddesheim.de.

Meist antwortet dann mit großer Verzögerung, die eine aktuelle Berichterstattung praktisch unmöglich macht, das Sekretariat des BĂŒrgermeisters. Diese Antworten sind meist so unzureichend, das sie fĂŒr eine Berichterstattung nicht verwendet werden können. Manchmal wird auch gar nicht erst geantwortet. Und wörtliche Zitate? Fehlanzeige. (siehe hierzu unsere Dokumentation)

Der Sinn des Verfahrens: AuskĂŒnfte sollen so mĂŒhsam werden. Sollten wir eine Nachfrage haben, geht das Verfahren wieder von vorne los.

VollstÀndig absurd wird es, wenn Herr Kessler seine Vasallen vorschickt.

So wies vor kurzem der Leiter des BĂŒrgerservices, Franz Winkler, eine Rathaus-Mitarbeiterin an, ihn zu informieren, wenn unsere Mitarbeiterin donnerstags das Mitteilungsblatt im Rathaus holt.

Als unsere Mitarbeiterin eintraf, wurde sie von der Angestellten gebeten, kurz zu warten. Die Angestellte informierte ihren Chef. Herr Winkler kam und fragte: “In welcher Funktion holen Sie das Blatt? Privat oder fĂŒr die Redaktion des heddesheimblogs?” “SelbstverstĂ€ndlich fĂŒr die redaktionelle Arbeit”, antwortete die Mitarbeiterin. Sie durfte das BlĂ€ttchen mitnehmen.

Vielleicht hat Herr Kessler mit diesem Vorgang auch nichts zu tun. Vielleicht praktizierte Herr Winkler auch nur vorauseilenden Gehorsam.

Kleingeistiges Verhalten

Unserem freien Mitarbeiter Horst Pölitz, der als freier Journalist auf eigene Rechnung arbeitet, wurde das Mitteilungsblatt aktuell verweigert. Das Kesslersche Sekretariat “informierte”:

“Sehr geehrter Herr Pölitz,
in den Verteiler fĂŒr Pressemitteilungen des Rathauses werden Sie aufgenommen.
Entgegen der gestrigen Auskunft erhalten nur Redaktionen unser Mitteilungsblatt kostenlos. Sie können sich dieses zukĂŒnftig von der Redaktion des Heddesheimblogs geben lassen. Alternativ erhalten Sie anbei ein Bestellformular.”

LĂ€cherlicher kann man sich eigentlich kaum machen.

Immer dann, wenn Herr K. will, das seine Botschaft unters Volk kommt, lĂ€sst er das Mitteilungsblatt an alle Haushalte verteilen – auch an Nicht-Abonnenten. Es kann sich also nicht um “KostengrĂŒnde” handeln.

Einem Journalisten, der ĂŒber die Gemeinde berichtet, dieses zu verweigern, ist nicht nur kleinlich, sondern kleingeistig. Es ist pedantisch.

Der Sinn dieses Verhaltens liegt erkennbar einzig und allein darin, die Arbeit und alle Zuarbeiten des heddesheimblogs wie auch immer zu behindern. Den Mitarbeitern der Gemeinde ist vordergrĂŒndig kein Vorwurf zu machen. Sie mĂŒssen den Dienstanweisungen ihres Chefs folgen. Manche mĂŒssens, andere folgen gerne von sich aus.

Was Herr K. seinen Mitarbeitern aber nicht anordnen kann, ist, was sie ĂŒber sein Verhalten und ihn denken.

Moderation von Kommentaren

Die Moderation liegt bei der Redaktion. FĂŒr uns steht fest: Kritische Diskussionen sind erwĂŒnscht, persönliche Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren steht in der Netiquette.

  • Erwin K.

    Kann mir gut vorstellen, dass sich das alles so zugetragen hat.

    Ähnliche Vorgehensweisen sind mir aus dem Redaktionsalltag auch bekannt. Besonders BĂŒrgermeister aus kleineren StĂ€dten halten sich auch heute noch fĂŒr unangreifbare FĂŒrsten. Die lokalen Verleger kuschen u.a. aus Angst, durch politischen Druck Anzeigenkunden zu verlieren.

    Der Abbau weiterer Redakteursstellen landauf, landab fĂŒhrt zu einer noch unkritischeren Berichterstattung.

    Vielleicht sollten ein paar hunderten Journalisten mit tÀglichen Anfragen das Heddesheimer Rathaus mal lahmlegen, denn wie wir wissen, sind Behörden auskunftspflichtig! Hat es alles schon gegeben. Die Frage ist nur: Muss das denn sein? Wer nichts zu verbergen hat, kann auch mit offenen Karten spielen.

    Erwin K.

  • TJ

    Man kann sich bei diesen Thema nur wiederholen. Pressefreiheit ist ein fester Bestandteil der Demokratie. Was Herr Kessler hier betreibt ist, wie beschrieben, kleingeistig und hat schon was von Manipulation an sich. Am liebsten sieht er sich lĂ€chelnd abgebildet bei irgendwelchen JubilĂ€en in immer gleicher Pose. DafĂŒr ist der MM und sein Hausblatt immer prĂ€sent.
    Also was soll der Kleinkrieg Herr Kessler? Kritik und Demokratie unerwĂŒnscht???

  • Michael MĂŒller

    Gröhl! Ich bin Journalist in Berlin und lese immer wieder gerne das Heddesheimblog – eine Art Reality-Provinz-Soap. Wann wird euer BĂŒrgermeister von Stefan Raab vertont?

  • http://www.messe-event-schmiede.de ulrike oertel

    Menschen wir Ihr BĂŒrgermeister haben noch nicht verstanden, dass die Kontrolle von Internetmedien nicht so funktioniert wie die von klassischen Medien.

    Das liegt aber nicht nur an vermeintlich bösartigen Journalisten, sondern an der Geschwindigkeit und der naturgegebenen Unkontrollierbarkeit des Netzes. Eine einmal eingestellte Nachricht kann man nicht aufhalten, wer das glaubt, schneidet sich ins eigene Fleisch.

    Als ein Beispiel sei der Versuch von Jack Wolfskin genannt, die einen kleinen Handarbeitsshop abmahnen wollten, weil die angeblich ihr Logo geklaut hĂ€tten. Der Schuss ging megamĂ€ĂŸig nach hinten los und schadet dem Image des Unternehmens auf lĂ€ngere Zeit.

    Meine AusfĂŒhrungen treffen nicht ganz den Kern des Problems, weil es Herrn Kessler weniger um das Internet als um die Kritik an seiner Person geht, aber das Internet macht es fĂŒr ihn schwieriger, deshalb sollte er sich mit dem Grundcharakter dieses Mediums vertraut machen.

    Vielleicht sollte Herr Kessler sich auch mal erinnern, wie geschickt Barack Obama das Internet fĂŒr sich eingesetzt hat – schließlich ein Politikerkollege. Und er sollte das Buch “next practice – Erfolgreiches Management von InstabilitĂ€t” von Prof. Dr. Peter Kruse lesen. Kruse, Psychologe und Neurophysiologe, ist erfolgreicher Unternehmensberater, der höchst interessante Gedanken darstellt, wie das Internet Machtstrukturen in Unternehmen (und auch in RathĂ€usern) verĂ€ndern wird.

    Hier schon mal ein Link zu Kruses Firma: http://www.nextpractice.de

  • k.

    Heddesheim ist ĂŒberall!

  • http://www.bruchsal.org Dr. Jochen Wolf

    Na wenigstens da haben wir Bruchsaler ja mal GlĂŒck gehabt…
    Unsere neue OberbĂŒrgermeisterin Petzold-Shick gibt uns sogar Interviews und lĂ€ĂŸt uns alle Pressemitteilungen unaufgefordert zukommen, die auch die “Großen” erhalten. Sogar zu Presselunches mit ShowgeschĂ€ftsgrĂ¶ĂŸen wie Tony Marshall werden wir eingeladen. :-)

    Nun ja, dafĂŒr mĂŒssen wir in Bruchsal mit womöglich vor unserer OB Wahl im Juli gefĂ€lschten Kommunalwahlen und Ă€hnlichen Dingen fertig werden – und ja, es verbindet Bruchsal einiges mit Heddesheim, nicht nur ein neues kritisches Pressemedium.

    GrĂŒĂŸe aus Bruchsal

    Dr. Jochen Wolf
    http://www.bruchsal.org – Heute schon reingeklickt?

  • Jochen Schust

    Das ist mittlerweile besser als jede Soap! Ich lese sehr interessiert mit – auch wenn ich aus einer ganz anderen Ecke Deutschlands komme. Aber ich bin sicher, wenn das so weitergeht, wird Herrn Kessler schon bald ĂŒberregionale “Prominenz” zuteil. Wir sind gespannt!