Sonntag, 19. Mai 2013

« »

Public Viewing in Heddesheim – Kostenfrei? Oder nicht?

Guten Tag!

Heddesheim, 29. April 2010. In Heddesheim wird es zur Fußball-WM ein “Public Viewing” geben – also eine Übertragung auf Großleinwand. Angeblich die größte Veranstaltung dieser Art in der Region und angeblich kostenlos. Eins steht fest. Kostenlos ist die Veranstaltung nur bedingt.

fzhalle

"Public Viewing" in der Freizeithalle ist nur bedingt kostenlos. Quelle: Gemeinde Heddesheim

Von Hardy Prothmann

Dass die drei Vereine ATB, TG und Fortuna gemeinsam mit der Gemeinde ein “Public Viewing” veranstalten, ist erstmal eine gute Nachricht für alle Fußballfans.

Auch gut ist, dass es ein Rahmenprogramm mit Torwandschießen gibt. Auch gut, dass es einen mit dem Ladenburger Gasthaus “Zum Ochsen” einen Partyservice, also Verpflegung gibt.

All das gehört nämlich zu einem erfolgreichen “Public Viewing” dazu.

Was Public Viewing ist.

Mein letztes “Public Viewing” war im vergangenen Sommer in Amsterdam. Ein Musikfest. Mit vielen Bühnen und vielen Leinwänden. Die Versorgung war super, die Preise waren ok.

Aber jeder konnte sich auch sein Bier im Supermarkt oder Kiosk holen. Die meisten Leute haben sich eindeutig an den Ständen versorgt. Dort war man viel beschäftigt, aber freundlich und hatte auch für einen Spaß Zeit.

Beim Heddesheimer “Public Viewing” ist das anders.

Hier wird angekündigt, das “Public Viewing” sei zwar frei. Aber Getränke dürften keine mitgebracht werden.

Bedingt “kostenfrei”.

Das bedeutet in der Konsequenz: Wer drei, vier Stunden lang mit anderen in der Gemeinschaft seine Leidenschaft Fußball erleben will, hat entweder Durst oder wird zum Kauf von Getränken gezwungen.

Das hat mit “Public Viewing” nichts zu tun.

Das ist ein Geschäft, bei dem es den Betreibern an Mut fehlt, auch ein Risiko einzugehen. Vor allem ein finanzielles.

Vielleicht veranstalten auch deshalb drei Vereine zusammen mit der Gemeinde dieses Programm. Gehts schief, ist die Last auf viele Schultern verteilt. Und überhaupt: So hat jeder weniger Arbeit.

Die größten sind zu klein.

Der Mannheimer Morgen (MM) hat geschrieben, dies seien die drei “größten Vereine” Heddesheims. Das heißt umgekehrt aber auch: Jeder davon ist zu klein, um die Aufgabe stemmen zu können oder zu wollen.

Vielleicht verstehen die drei Vereine sich aber auch einfach so gut, dass sie das gerne zusammen machen. Auch das ist eine Möglichkeit.

Vielleicht hat man aber auch tatsächlich ernstzunehmende und nachvollziehbare Gründe, das Mitbringen von Getränken zu verbieten. Verbieten ist übrigens im Ergebnis dasselbe wie “nicht erlauben”, was der MM geschrieben hat.

“Das gesamte Gebiet wird abgesperrt”, schreibt der MM und merkt nicht, dass er gleichzeitig über ein “Public viewing” berichtet.

In Amsterdam gab es Einschränkungen für den Straßenverkehr, aber keine Absperrung gegen Menschen. Und das war viel, viel, viel größer als das “größte Public Viewing” in Heddesheim in der Region. Fragt sich, was “Region” in diesem Fall heißt.

Geht es um Angst?

Das nächste Argument könnte “Fußball” sein. Ein Sport, in dessen Umfeld es immer wieder viel Gewalt und Zerstörung gibt.

Haben die Heddesheimer Vereine und die Verwaltung davor Angst?

Und wenn ja, wäre es nicht besser, statt die Veranstaltung “abzusperren”, diese offen zu halten und mit Ordnern zu sichern?

Hat man Angst davor, dass sich jemand mit mitgebrachten Getränken besäuft?

Die Maßnahme wird nicht helfen – so wird ein “Vorglühen” provoziert.

Oder um Misstrauen?

Mit ziemlicher Sicherheit steht aber ein anderer Gedanke im Vordergrund: Misstrauen.

Die Vereine misstrauen ihrer eigenen Veranstaltung. Und sie machen den Zutritt für viele fraglich.

Junge Leute mit wenig Geld, junge Familien, Menschen ohne Arbeit – alles Mitglieder unserer Gemeinschaft werden sich überlegen, ob sie sich ein “kostenloses Public Viewing” leisten wollen.

Die Vereine und die Gemeinde hätten das Konzept auch anders entwerfen können.

  • Wir veranstalten zusammen ein “Public Viewing” – weil wir ein tolles Angebot bieten wollen.
  • Wenn sich das trägt und allen Spaß macht, wird was draus und viele “Public Viewings” werden folgen.
  • Wir tragen den Gedanken des “Public Viewing” in uns – es ist kostenlos.
  • Aber wir haben Kosten und freuen uns, wenn sie unser Angebot wahrnehmen und sich hier versorgen.

Die Zeche zahlen die “Viewer”.

Leider ist die Heddesheimer Variante nichts anderes als ein Kneipen-”Public Viewing”.

Die Freizeithalle wird zur Kneipe, die Veranstalter sehen nicht das Event, sondern den Umsatz. Eintritt frei – jeder Verzehr kostet.

Woran es fehlt ist Vertrauen – in das eigene Angebot und die Menschen.

Der Eintritt ist kostenlos – die Zeche zahlen muss man trotzdem.

Dokumentation:
Presseinformation der Veranstalter
“Public Viewing” zur WM 2010 in der Heddesheimer Freizeithalle

Heddesheim. Noch sechs Wochen bis zum Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika – und die Fußballfans aus Heddesheim und Umgebung können sich auf ein “Public Viewing” in der Freizeithalle freuen, zu dem die drei Vereine Arbeiter-Turnerbund (ATB), Fußballverein Fortuna und die Turngemeinde (TG) Heddesheim, die Gemeinde Heddesheim und das Gasthaus “Zum Ochsen” Ladenburg einladen.

Wir zeigen etwa die Hälfte der Spiele der Fußball-WM 2010 in Südafrika, ganz besonders natürlich diejenigen mit deutscher Beteiligung. Die Leinwand wird vor Wind und Wetter geschützt in der Freizeithalle aufgebaut. Vor der Freizeithalle finden die Besucher Essen und Trinken in einem Biergarten bei der fußballerisch geschmückten Freizeithalle. Beim Essen gibt es an verschiedenen Spieltagen entsprechend der beteiligten Mannschaften je ein länderspezifisches Gericht, so z.B. eine spanische Paella oder “Fish and Chips”, wenn das englische Team spielt.

Der Eintritt zum “Public Viewing” ist frei. Die Halle wird jeweils etwa eine Stunde vor dem ersten Spiel geöffnet.

Ab dem Achtelfinale (26. bis 29.06.) werden alle Spiele gezeigt. Folgende Vorrundenspiele sind zu sehen:

13.06. 20:30 Uhr Deutschland – Australien.
18.06. 13:30 Uhr Deutschland – Serbien, 16:00 Uhr Slowenien – USA, 20:30 Uhr England – Algerien.
19.06. 13:30 Uhr Niederlande – Japan, 16:00 Uhr Ghana – Australien, 20:30 Uhr Kamerun – Dänemark.
20.06. 13:30 Uhr Slowakei – Paraguay, 16:00 Uhr Italien – Neuseeland, 20:30 Uhr Brasilien – Elfenbeinküste.
23.06. 16:00 Uhr Slowenien – England, 20:30 Uhr Ghana – Deutschland.
24.06. 16:00 Uhr Slowakei – Italien, 20:30 Uhr Kamerun – Niederlande.
25.06. 16:00 Uhr Portugal – Brasilien, 20:30 Uhr Chile – Spanien.

Die Freizeithalle in der Großsachsener Straße 35 ist mit dem Fahrrad gut zu erreichen, auch Parkplätze für Autos stehen zur Verfügung. Aktuelle Infos zu den Veranstaltungen gibt es jeweils auch unter www.heddesheim.de.”

Moderation von Kommentaren

Die Moderation liegt bei der Redaktion. Für uns steht fest: Kritische Diskussionen sind erwünscht, persönliche Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren steht in der Netiquette.

  • Michael Müller

    Prothmann beherrscht die Kunst, an scheinbar kleinen Dingen Mißstände in der Gesellschaft aufzuzeigen. Sehr treffend, diese Kommentar über die Angst vor dem Misserfolg. Leute, bringt doch einfach massenweise euer eigenes Bier mit und schaut dann, ob die Veranstalter sich trauen, euch anzufassen und rauszuschmeissen. Nicht so schüchtern!

  • heddesheimerin

    Ich kann durchaus verstehen, dass die Veranstalter die unternehmerischen Risiken eines solchen Events minimieren wollen. Sollte es ein Flop werden, stehen die Beteiligten schnell mit einem hohen Defizit da. Daher habe ich auch Verständnis für die Entscheidung zu den Getränken (solange die dann auch zu vernünftigen Preisen angeboten werden).

    Wirtschaftliche Vernunft geht hier über “Vertrauen in die Menschen”.

  • Christian

    Dass das wirtschaftliche Risiko auf mehrere Schultern verteilt wird ist für mich verständlich.
    Aber warum muss man das gesamte Gebiet denn gleich absperren? Ich hätt mir das so vorgestellt:

    - Mann stellt in die Freizeithalle (oder davor – je nach Wetterlage)eine große Leinwand und einen Projektor. Die Kosten hierfür übernimmt die Gemeinde

    - Die Vereine übernehmen die Bewirtung und der Gewinn der dabei rauskommt kommt zu gleichen Teilen den Beteiligten Vereinen zu Gute.

    Wenn die Leute dann ihre Verpflegung mitbringen isses gut, wenn nicht isses noch besser.
    Aber wahrscheinlich stell ich mir das zu einfach vor – bin halt kein Parteifunktionär, oder Vereinsvorstand ..

  • kher

    Die Absperrungen erfolgen sicher ua aus Sicherheitsgründen, da nicht unendlich viele Leute Zutritt zu der Veranstaltung haben dürfen/können.
    Dafür gibt es Richtlinien die auch umgesetzt werden müssen um die Arbeit für Polizei/Feuerwehr/Norarzt nicht zu behindern.
    MW gilt das für jede öffentliche Veranstaltung/Festival in Deutschland (!) wo ein Verhältnis Platzangebot/Personenzahl begrent ist.

    Genauso kann ein Veranstalter durch ein Verbot von mitgebrachten Getränken erwirken daß zB keine Glasflaschen (die ein Verletzungsrisiko bergen) in Umlauf sind, sondern die Getränke in Plastik- oder Pappbechern ausschenken. Somit sind evtl auch nur diese zu entsorgen und nicht noch zusätzlicher Müll der mitgebracht, aber nicht wieder mitgenommen wurde.

    Ich kanns verstehn.

  • Robin Maier

    Ich bin Teil der Organisation und versuche mal einen “Mißstand” klarzustellen. Hier geht es nicht um das Public Viewing an sich, sondern heddesheimblog vs. Mannheimer Morgen/Gemeinde/TG.

    Einerseits finde ich es gut, dass ein Medium wie das heddesheimblog Strukturen durchleuchtet und auch mal unangenehme “Fragen” stellt.
    Andererseits sollte es in Heddesheim noch möglich bleiben Veranstaltungen durchzuführen, die ehrenamtlich geplant werden und den Vereinskassen zugute kommen sollen, ohne das hinter jedem “Zaun” eine böse Absicht lauert.
    viele Grüße
    Robin Maier

    • lutz

      “Andererseits sollte es in Heddesheim noch möglich bleiben Veranstaltungen durchzuführen, die ehrenamtlich geplant werden und den Vereinskassen zugute kommen sollen, ohne das hinter jedem “Zaun” eine böse Absicht lauert.”

      Hallo Herr Maier,

      ich kann nicht erkennen, wo dieses Blog gegen ehrenamtlich durchgeführte Veranstaltungen sein sollte. Im Gegenteil lese ich hier immer wieder Geschichten über diverse Vereinsveranstaltungen in Heddesheim. Also locker bleiben :-)

      Finde Ihr Engagement und das Event übrigens klasse und werde selbstverständlich da sein! (Und auch gern für mein Bier und meine Bratwurst zahlen)

    • Argus

      Es ist doch klar,dass die Vereine solch eine Veranstaltung nicht alleine stemmen können!
      Deshalb sei ihnen eine Einnahme aus dem Getränkeverkauf gegönnt.
      Die Preise sind in der Freizeithalle durch die Gemeineverwaltung vorgegeben,wenn ich mich nicht irre.
      Eintritt wird doch nicht verlangt,deshalb ist eine üppige Verdienstspanne wohl kaum “drin” sein.
      Das Mitbringverbot für Getränke ist so in Ordnung und wird sicher nicht intensiv kontrolliert werden können.
      Auch “Vorgeglühte” dürften in Erscheinung treten.

      Ich finde es i.O. wie Herr Prothmann darüber berichtet.
      Es ist doch keine bösartige Kritik,auch wenn ein Doll einer der Vorstände ist.

  • Heddy

    “Der Mannheimer Morgen (MM) hat geschrieben, dies seien die drei “größten Vereine” Heddesheims. Das heißt umgekehrt aber auch: Jeder davon ist zu klein, um die Aufgabe stemmen zu können oder zu wollen”

    Das eigentlich Erschütternde an dem MM Bericht zur Hauptversammlung war die Meldung, dass mit Ewald Doll die “erwiesene Erfolglosigkeit” bei der TG wiedergewählt wurde. Sportlich mag die Bilanz noch akzeptabel sein, aber bei den weiteren Veranstaltungen bleibt einem nur die Note “mangelhaft”. Die Chance zu einem Neuanfang bei der TG wurde erneut verschlafen.

  • Iris Braun

    Bin zufällig auf diesen Artikel gestossen.Wollte eigentlich nur Anfangszeiten wissen..werden wohl jetzt auf einen Besuch verzichten..dachten,das Ganze ist eine freundschaftliche Veranstaltung mit Spass und ohne Zwang..schade

    • Grundschüler

      Ihnen ist aber schon klar (ohne die Aktuelle Planung zu kenen), dass der Artikel bereits zwei Jahre alt ist!