Donnerstag, 24. April 2014

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Workshop im Alten Rathaus: Der Stein gestaltet mit


Guten Tag!

Heddesheim, 25. Juli 2011. Der Heddesheimer Kunstverein lud am 17. Juli 2011 zu einem Workshop mit dem Maler und Bildhauer George Mirenes in die AusstellungsrĂ€ume im Alten Rathaus ein. FĂŒnfzehn Besucher waren gekommen, um zu sehen wie aus einem Rohling eine Skulptur entsteht. Oder legten selbst Hand an.

Von Sabine Prothmann

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George Mirenes bei der Ausstellungseröffnung. Archivbild heddesheimblog.de

“Ich lass’ mich vom Stein inspirieren”, erklĂ€rt der Maler und Bildhauer George Mirenes bei einem Workshop am vergangenen Sonntag in den AusstellungsrĂ€umen des Alten Rathauses.

Nach und nach kommen gut 15 Besucher, Zuschauer und letztlich auch Mitgestalter, um zu sehen, wie der KĂŒnstler Leben und Form in den harten Stein bringt.

StĂŒhle sind im Halbkreis um den Arbeitstisch des Bildhauers aufgestellt. Mirenes erzĂ€hlt, beantwortet Fragen und erklĂ€rt: “Man muss sich in den Stein hineinversetzen”.

Meist arbeitet der KĂŒnstler mit Serpentin, ein Stein der nur in Afrika vorkommt, den er sich von dort aus Zimbabwe oder Sambia als Rohling schicken lĂ€sst. Der Stein ist, seine Formen oft bizarr.

FĂŒr den AnfĂ€nger ist der weiche Speckstein eher geeignet, sagt Mirenes.

George Mirenes hat in Zimbabwe gelebt und mit afrikanischen KĂŒnstlern gearbeitet. Das hat sein Bildhauerhandwerk maßgeblich beeinflusst. Das war eine einschneidende Erfahrung.

Kunst und hartes Handwerk

Und neben der Kunst ist es hartes Handwerk, was Mirenes den Besuchern in der Galerie zeigt. Mit Hammer und Meißel, mit Feile und Sandpapier lĂ€sst er den Stein Gestalt annehmen.

“Wer möchte?”, fragt er immer wieder und meist schon nach Kurzem zeigen die “Mitgestalter” ErmĂŒdungserscheinungen, es ist anstrengend und mĂŒhsam den harten Stein zu bearbeiten.

Mit einem Stift hat er zunÀchst skizziert, wie die Skulptur entstehen soll. Ein Gesicht.

Doch der Stein gestaltet mit, wĂ€hrend der Bildhauer ihn bearbeitet. Plötzlich entstehen weitere Skulpturen in einem Stein. “Das ist eine schöne ÃƓberraschung”, freut sich Mirenes. Er entdeckt auf der anderen Seite ein zweites Gesicht.

Manchmal hole er keine komplette Figur heraus, sondern nur Einzelteile, “der Rest bleibt Natur”.

Mirenes: “Das ist ein Geduldsspiel.”

“Ich arbeite alles mit der Hand und nicht mit der Maschine”, erzĂ€hlt der KĂŒnstler. Nach der Gestaltung wird der Stein mit immer feinerem Schmirgelpapier bearbeitet. Mit einem Industriefön wird der Stein nach Bearbeitung sehr heiß gemacht, das kann gut drei Stunden dauern – “das ist ein Geduldsspiel”, denn er muss langsam warm werden. Die WĂ€rme hĂ€lt der Stein dann 24 Stunden.

Zur Anschauung hat er einen Fön mitgebracht, doch schon nach kurzer Zeit versagt er seinen Dienst. Er ist zu heiß geworden, erklĂ€rt Mirenes.

Dann wird er mit Wachs ĂŒberzogen, anschließend poliert. Erst dann sieht man die wunderbare Maserung und die leuchtenden Farben.

Nach gut eineinhalb Stunden nimmt der Stein immer mehr Form an, aber es ist ein weiter Weg vom Rohling zum fertigen Kunstwerk. Die Gesichter sind zu erahnen.

Die Besucher sind interessiert und begeistert, hier konnten sie hautnah erleben, wie Kunst entsteht.

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Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (47) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.