Montag, 21. Mai 2012

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Politische PR-Berichterstattung – RNZ schweigt

"Mens agitat molem" hat die RNZ als Leitspruch - "der Geist bewegt die Materie". Fragt sich nur, welche Art von Geist gemeinst ist.

Rhein-Neckar, 22. November 2011. (red) Am 17. November 2011 hat die Redaktion auf dem Rheinneckarblog.de aufgedeckt, dass die Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) politische PR-Propaganda für die CDU und Stuttgart 21 macht. Ein Text des CDU-Landtagsabgeordneten Georg Wacker war als redaktioneller Text getarnt in weiten Teilen inhaltlich und sogar wortgleich übernommen worden. Wir haben die Chefredaktion damit konfrontiert und um Auskunft gebeten, ob sich die RNZ noch als unabhängige Zeitung oder als Propaganda-Organ sieht. Die Frage scheint beantwortet.

Von Hardy Prothmann

Angeblich hatte den Text der Redakteur Stefan Hagen geschrieben – schließlich war der Artikel mit seinem Namen gekennzeichnet. Auf Rückfrage bei Herrn Hagen hat dieser den Text als seinen eigenen ausgegeben. Zu dumm nur, dass am Tag vor Erscheinen der Ausgabe der mehr oder weniger gleiche Text schon beim CDU-Politiker und früheren Staatssekretär Georg Wacker auf dessen Homepage erschienen war.

Wir haben die Chefredaktion der RNZ um Antwort gebeten, wie es dazu kommen konnte. Seit dem 17. November hatte die RNZ Zeit, zu der brisanten Frage Stellung zu beziehen, ob sich die Zeitung als unabhängig oder als parteipolitisches Propaganda-Blatt begreift. Oder, ob Herr Hagen gar als “Ghostwriter” für Herrn Wacker arbeitet und damit tatsächlich “seine eigenen” Texte in der Zeitung nochmals veröffentlicht? Immerhin beharrte er darauf, dass der abgedruckte “sein Text” sei.

Eine Antwort fehlt bis heute und wird vermutlich auch nicht mehr kommen. Doch auch eine Nicht-Antwort ist eine Antwort. Jede anständige Redaktion, die sich einem unabhängigen Journalismus verpflichtet fühlt, hätte geantwortet und diese vermeintlich unhaltbaren Vorwürfe zurückgewiesen oder im Falle eines Fehlers diesen eingestanden, korrigiert und die nötigen Konsequenzen gezogen.

Nicht so die RNZ-Chefredaktion. Die beiden Chefredakteure schweigen. Kein Dementi, kein Eingeständnis eines Fehlers, keine Erklärung. Nur ein schwaches Wegducken.

Tatsächlich ist es unerheblich, ob die Zeitung Parteipropaganda für die CDU oder eine andere Partei macht. Propaganda bleibt Propaganda und hat mit seriösem Journalismus nichts zu tun. Da kann die Zeitung noch so stolz sein, als erste Zeitung 1945 in Württemberg-Baden gegründet worden zu sein – mit solchen miesen Methoden rangiert man sich aufs journalistische Abstellgleis ohne Chance auf Anschluss.

Möglicherweise versteht man aber unsere Anfrage auch nicht, weil diese Art “zu arbeiten” mittlerweile der “publizistische Standard” bei der RNZ ist.

Immerhin: CDU-Mann Georg Wacker “steht zu seiner Interpretation” und hat auf einen weiteren Bericht von uns reagiert, in dem wir der CDU Weinheim unredliche Stimmungsmache vorwerfen.

Lesen Sie zum Thema:

Nachgefragt: Wie wird aus einer politischen PR-Meldung ein redaktioneller Text in der RNZ?

Wacker steht zu Interpretation der Herrmann-Antwort

Offener Brief an die CDU Weinheim: Unredlich ist, wer falsch Zeugnis ablegt

Kommentare

  1. Horst Berger meint:

    Dass sich die Chefredaktion nicht meldet ist leider bedauerlich. Auf der Seite der RNZ hatte ich ja meinen Kommentar geschrieben und wollte auch eine entsprechende Stellungnahme, da am Freitag bundesweit über diesen Fall berichtet wurde (wie bei den nachdenkseiten.de).

    Der Chefredakteur Dr. Welzel hat sich bei mir per E-Mail gemeldet. Der Inhalt der E-Mail darf seiner Meinung nach aber “dritten” nicht zugänglich gemacht werden.

    In der E-Mail vom Freitag, 18.11.2011 steht sinngemäß, die RNZ betreibe keinen Kampagnen-Journalismus, leider fehle aber der Hinweis in dem “betreffenden Artikel”, dass sich die “Basisinformation und Zitate auf eine Pressemitteilung beziehen”.

    Er wolle Sorge tragen, dass sich so etwas nicht wiederholt. Aha. Und das darf “dritten” nicht zugänglich gemacht werden? Macht er das im Geheimen?

    • heddesheimerin meint:

      Danke wenigstens ein bisschen Aufklärung in der Sache. Insgesamt ist die Sache ein Trauerspiel für die RNZ und zeigt m. E. die typische Heuchelei vieler Redaktionen: Insbesondere Medien, die schnell bei der Hand sind, über Fehler und Nachlässigkeiten anderer zu berichten und zu urteilen (was ja auch ihr Auftrag ist), stecken den Kopf in den Sand und schweigen betreten, wenn es um eigene Fehler geht.

  2. Kai Singer meint:

    @Horst Berger:
    Im Allgemeinen dürfen natürlich auch Emails nicht einfach so veröffentlicht werden. Dies gilt aber nicht, wenn es ein öffentliches Interesse an der Sache gibt (was natürlich Drohgebärden erstmal nicht behindert).
    Wenn Sie die Email nicht veröffentlichen, so können Sie aber auch zumindest über eine Beschwerde beim Presserat nachdenken. Dies ist zwar ein eher zahnloser Tiger, aber wohl immer noch besser, als solche Verstöße gegen den Pressekodex (Ziffer 1 und 7) einfach durchgehen zu lassen.

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