Guten Tag!
Heddesheim, 11. April 2010. In Heddesheim sind für einige Wochen Schafe zu Gast – fünf Jungschafe beweiden die Streuobstwiese am Vogelpark. Hier haben sie Ruhe und können sich stärken – das müssen sie auch, denn noch vor kurzem wurden sie so schlecht gehalten, dass das Veterinäramt den alten Betrieb “zumachte.
Von Hardy Prothmann
Ungewohnter Betrieb auf der Streuobstwiese. Am Samstagmorgen fahren Michael Finkbeiner sowie Annette und Michael Pfeiffer einen Hänger ins Gelände.
Fünf Merino-Schafe sind darin, alle etwa ein halbes Jahr alt. Die Schafe werden einzeln vom Hänger geholt, dann werden die Hufe der Tiere zurecht geschnitten.
Das ist nötig, denn die jungen Schafe sind zwar erst einige Monate auf der Welt, haben aber schon ein schlechtes Leben hinter sich. Nicht artgerecht wurden sie gehalten. Eng zusammengepfercht. Die Pfoten standen im eigenen Kot. Kein Auslauf war ihnen möglich.

Michael Finkbeiner und Annette Pfeifer bereiten ein Merino-Schaf für die Weide vor. Bild: heddeseheimblog
Das Veterinäramt Weinheim hat einen Schafzuchtbetrieb geschlossen und die rund 60 Schafe neuen Besitzern zugeführt. Michael Finkbeiner, Silvia Singer, Annette und Michael Pfeifer sind Hobbyschäfer und haben fünf Merino-Schafe übernommen.
Eigentlich sind Merino-Schafe für ihre sehr gute Qualität der Wolle bekannt – die Wolle der jungen Schafe ist verfilzt und dreckig: “So sehen die normalerweise nicht aus”, sagt Annette Pfeifer nüchtern. Man merkt, dass die Verwaltungsangestellte sauer ist.
Und sie ist fest entschlossen, dass zu ändern. Resolut schneidet sie den Schafen die Hufe und freut sich, dass diese härter geworden sind – das Stehen im Kot hatte sie mürbe gemacht. Die Schafe waren in einem schlechten Zustand, als die Hobbyschäfer vom “Fuchshof Rippenweier” die Tiere “übernommen” haben.
Fuchshof heißt das private Projekt, weil die vier Hunde- und Schafliebhaber eigentlich “Coburger Füchse” züchten wollen – jetzt aber auch Merino-Schafe haben. Die “Füchse” gelten als gefährdete Haustierrasse.
Sie schneiden das Filz am Rücken weg, um danach ein Mittel direkt auf die Haut aufzubringen, das Parasiten, beispielsweise Würmer abtötet. Die Arbeit am Schaf ist anstrengend, die Hobbyschäfer sind engagiert und beherzt dabei.
Zwei bis drei Wochen werden die Schafe die eine Hälfte der Streuobstwiese beweiden, danach noch einmal so lange den anderen Teil. Danach geht es zur nächsten Weidestelle.
Täglich werden die Schafzüchter, die im Hauptberuf Verwaltungsangestellte, Controller, Landschaftsgärtner und Sozialarbeiterin sind, die Schafe mit Wasser versorgen und schauen, “ob alles in Ordnung ist”.
Damit die Schafe nicht ausbüchsen, haben sie die Wiese eingezäunt. Auf dem Zaun liegt Strom: “Eine Lektion reicht, dann wissen die Schafe, dass sie sich davon verhalten sollten. Der untere Teil des Zaunes ist ohne Strom, damit Hasen, Rebhühner, Fasane und andere bodennahe Tiere unbehelligt hindurch schlüpfen können.
Hundebesitzer, die am Rand der Streuobstwiese spazieren gehen, sollten also ihre Hunde angeleint lassen, damit sich diese keinen “Schlag abholen” – abgesehen davon sollten Hunde entweder gut geschult sein oder an der Leine geführt werden.
Für die Hobbyschäfer und den Vogelverein ist es eine “Win-Win-Situation”: Die tierischen “Rasenmäher” erledigen ruhig und zuverlässig das Mähen der Wiese – die Schafe können hier gutes Futter finden und sich nach ihrem Martyrium stärken.
Einen schönen Tag wünscht
Das heddesheimblog















Hallo Herr Prothmann,
das haben Sie wirklich sehr nett geschrieben incl. des Clips. Herzlichen Dank. Wir hören und sehen uns sicher. Viele Grüße
Hallo Herr Prothmann,
wo sind denn die Schäflein hin?
Wollte am Wochenende meiner kleinen Nichte und ihren Eltern die schöne Wiese mit den Schafen zeigen, nun ist das Gras hochgewachsen und die Schäflein sind weg!
Haben wir dies unserem Bürgermeister zu verdanken!?
Grüße
Karl Ludwig
Guten Tag!
Wir haben nachgefragt. Der Schäfer ist mit seinen Schafen wieder vom Grundstück – auf Grund eines “organisatorischen Problem”.
Für den Zusammentrieb benötigt der Schäfer seine Hunde – die aber sind im Vogelschutzgebiet nicht gerne gesehen, sogar tabu aus Sicht des Vogelvereins.
Ohne Hunde keine Schafe ist das Ergebnis. Aus Sicht des Vogelvereins schade, die Lösung des “Mähens” schien zunächst klasse zu sein, hat sich aber trotzdem als problematisch erwiesen.
Ob die Schafe nochmals eingesetzt werden können, ist deshalb eher unwahrscheinlich.
Einen schönen Tag wünscht
Das heddesheimblog