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Heddesheim, 30. Oktober 2009. Um das bestmöglichste Eis zu machen, braucht es viel Erfahrung, Geduld und natürlich macht es jede Menge Arbeit. Eismeister Michael Kiss und Siegmund Schmitt präparieren seit dem 20. Oktober 2009 die Eisbahn für die neue Saison.
Von Hardy Prothmann
“Die Witterung ist für uns die größte Herausforderung”, sagt Michael Kiss. Deswegen arbeiten er und sein Kollege Siegmund Schmitt bevorzugt abends am Eis, manchmal auch morgens: “Am Morgen haben wir das Problem, dass wir nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung haben. Wenn die Sonne über dem Odenwald aufsteigt und es ein schöner Tag wird, wird es schwierig für uns.”

Michael Kiss und Siegmund Schmitt (Fahrer) besprechen sich. Foto: hblog
Ab zehn Grad Außentemperatur und direkter Sonne fängt es an, schwieriger mit dem Eis zu werden, ab 14 Grad wird es dann fast unmöglich, die Bahn in einen guten Zustand zu bringen: “Dann arbeitet die Maschine auf Hochtouren.”
Pro Tag haben die Männer in den vergangenen Tagen Schicht um Schicht von etwa einen halben Zentimeter neuen Eis aufgebracht : “Da wir aber auch Verluste durch den Wind und die Sonne haben, braucht es acht, neun Tage bis wir unser Eis haben.” Das Schichten des Eises bringt enorme Vorteile: “Die Erfahrung hat gezeigt, dass das Eis qualitativ besser wird, einfach stabiler”, sagt Kiss.
Eishockeyspieler wollen hartes Eis, Eisläufer weicheres Eis
Das Eis arbeitet nämlich. Sonne, Wind, Regen – alle Umwelteinflüsse verändern seinen Zustand. Ebenso die Eismeister: “Wenn die Eishockeymannschaften spielen, machen wir das Eis härter. Da stehen die drauf”, grinst Kiss. Der freundliche Service macht den Männern aber zusätzliche Arbeit: “Wenn die Spieler vom Platz gehen, haben sie mit ihren Kufen ganze Arbeit geleistet. Es gibt dann jede Menge Stellen zu flicken, wo sie Broken rausgerissen haben.” Kiss grinst wieder: “Das kriegen wir aber immer wieder hin.”

20 Minuten dauert eine "Eisfahrt". Foto: hblog
Die “normalen” Eisläufer haben dagegen lieber ein etwas weicheres Eis, das lässt sich geschmeidiger befahren. “Wenn Jugendliche allerdings dann mit T-Blades hier richtig zur Sache gehen, dann sieht man die Spuren auch viel deutlicher – gerade in den Kurven schneiden diese extrem scharfen Schlittschuhe enorme Rillen rein.” Kiss reißt die Augen auf, signalisiert “so ein Ärger”, dann grinst er aber wieder. Er war auch mal jugendlich und weiß, dass es halt aus Übermut geschieht. Und er weiß – das kriegen sie wieder hin: “Alles was durch sportliche Beanspruchung passiert, ist halt so. Deswegen kommen die Menschen ja, die einen laufen gemütlich, die anderen geben alles. Kein Verständnis habe ich aber für Übermütige, die einfach so mal die Kuffen ins Eis schlagen und es absichtlich beschädigen.”
Kampf gegen das “schlechte Eis”
Siegmund Schmitt sagt nicht viel. Er nickt. Gleich fährt er wieder mit dem Eiswagen raus und zieht seine Runden. Zuvor haben die beiden Männer aber mit einem Hobel, der aussieht wie ein Rasenmäher, die Stellen nahe der Banden von “schlechtem Eis” befreit: “An den Banden läuft Kondenswasser runter, der Wind treibt den Schnee hierher, während des Betriebs stoppen die Leute und dann bilden sich schnell Hubel, die wir nicht haben wollen.”
1800 Quadratmeter (60×30 Meter) ist die Eisfläche groß, von etwa 3,5 cm dickem Eis bedeckt. So wenig? “Alles andere wäre unwirtschaftlich, weil wir mehr Energie bräuchten, um eine dickere Schicht hinzubekommen. Die dreieinhalb Zentimeter sind das ideale Maß für tollen Eisspaß und notwendiger Energiezufuhr”, sagt der Eismeister.
Unter dem Eis ist der Beton zwischen minus acht und minus vierzehn Grad Celcius kalt: “Was viele nicht wissen – wir frieren nicht das Wasser ein, wir entziehen dem Wasser die Wärme. Eigentlich nach demselben Prinzip, wie ein Kühlschrank funktioniert”, sagt Kiss.
Unter dem Beton laufen Rohre, durch die flüssiger Ammoniak fließt, der saugt die Wärme(energie) auf und wird flüchtig, also gasförmig: “Das saugen wir dann ab und verlüssigen den Ammoniak wieder. So schließt sich der Kreis.”

Schaben und wässern und das im genau richtigen Verhältnis ist die Kunst. Foto: hblog
Mittlerweile ist Siegmund Schmitt wieder mit dem Wagen auf dem Eis. Am hinteren Ende des Eiswagens sind neun sehr scharfe Messer angebracht, die die Eisfläche hobeln. Zwischen einem und zwei Millimetern tragen die Messer ab, manchmal auch weniger, nur Zehntel Millimeter, je nach Zustand der Bahn: “Da hinten ist eine Stelle, mit der wir noch nicht 100 Prozent zufrieden sind. Wir testen, wie viel wir abhobeln müssen, um das schön gleichmäßig zu bekommen.”
Die Arbeit ist täglich anders für die Eismeister – je nach Witterung
Gleichzeitig wird neues Wasser aufgebracht, das von einem Tuch glatt gezogen wird: “Wir versuchen immer so wenig wie möglich abzutragen, das schont Energie und das Eis ist schneller fertig.”
Zwanzig Minunten dauert die Fahrt, nach weiteren zehn Minuten ist die neue Schicht gefroren. Im Flutlicht steigt Bodennebel auf. Das Eis dampft. Im Tagesbetrieb machen die Männer diese Arbeit alle zwei Stunden.

Seit zehn Tagen tragen Kiss und Schmitt Schicht um Schicht auf, bis die gewünschten 3,5 Zentimeter Eisdicke erreicht sind. Foto: hblog
Michael Kiss ist schon siebzehn Jahre für das “bestmögliche Eis” verantwortlich, Siegmund Schmitt macht den Job seit sechszehn Jahren. Die beiden verstehen sich fast wortlos – jeder weiß, wann was zu tun ist. Die Männer arbeiten routiniert: “Das heißt aber nicht, dass wir immer denselben Job machen. Jeder Tag ist anders, die Witterungsverhältnisse diktieren uns, was zu tun ist.”
Die relative Kälte der vergangenen Tage hat den Männer geholfen, das beste Eis zu machen.: “Die Bahn ist in einem Superzustand, die Qualität ist mit eine der besten im ganzen Raum”, sagt Michael Kiss. Er und Siegmund Schmitt grinsen wieder. Man merkt, dass ihnen der Job Spaß macht und sie großen Ehrgeiz haben, ihren Kunden den Eislaufspaß so angenehm wie möglich zu machen.
Am Sonntag gehts los.














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