Donnerstag, 17. Mai 2012

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Offener Brief an den Gesamtvorstand der TG Heddesheim

Guten Tag!

Heddesheim, 28. Oktober 2009. Von einem Sportverein sollte man Sportsgeist erwarten können – Fairness und Anstand eingeschlossen.
Vereine sind ein wichtiges gesellschaftliches Element. Und sie tragen Verantwortung.
Funktionsträger in Vereinen sollten durch ihr Handeln und ihre Äußerungen Vorbild sein – ganz allgemein, vor allem aber für die Jugend.
Der Vorstand der TG Heddesheim scheint einen “Aushang” zu billigen, der tatsächlich geeignet ist, den gesamten Verein zu beschämen – zum Schaden aller Mitglieder und Unterstützer.

An den Gesamtvorstand der TG Heddesheim

1. Vorsitzender Ewald Doll
2. Vorsitzender Thomas Ross
Hauptkassierer Matthias Bauer
1. Beisitzender Vorstand Hanspeter Huber
2. Beisitzender Vorstand Michael Holler
Jugendleiterin Nadja Kappis
Wirtschaftsausschuss Bernhard Erny

Sehr geehrte Damen und Herren,

am Sonntag wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass im Vorraum der TG-Vereinsgaststätte am “schwarzen Brett” ein “Aushang” öffentlich einsehbar ist, der sich auf meine Person bezieht.

Zu lesen ist in dicken Lettern: “Ein TG-Mitglied wundert sich und fragt: Darf sich diese Person denn alles erlauben???”. Daneben hängt ein Zettel eines Bestellblocks, auf dem handschriftlich notiert ist: “Braucht Heddesheim einen Prothmann?” Darunter befinden sich ein Artikel aus dem heddesheimblogBraucht Heddesheim ein Oktoberfest?” und aus dem Mannheimer Morgen “Nach ein paar Takten springt der Funke über“.

tg

Ganz klar handelt es sich um Meinungsäußerungen - wenngleich auch wenig qualifizierte. Die Frage ist, ob die TG Heddesheim und deren Vorstand diese anonyme Bierzetteläußerungen als Stellungnahme teilt und stützt? Immerhin handelt es sich um ein öffentlich einsehbares "schwarzes Brett". Bild: hblog

Beide Bemerkungen beziehen sich unmissverständlich auf den von mir verfassten Meinungsbeitrag “Braucht Heddesheim ein Oktoberfest?“. Darin setze ich mich kritisch mit der Frage auseinander, ob die TG statt eines “Oktoberfestes”, für das es hier keine Tradition gibt, nicht besser ein TG-Herbstfest veranstalten sollte.

Aus meiner Sicht ist das eine legitime Frage. Ich erläutere Ihnen auch gerne den Hintergrund. Nach meiner Auffassung ist die TG ein Sportverein und kein Oktoberfestverein. Ein “Oktoberfest” mit Mannheimer Bier, einem “Caterer” aus der Region und einer Band aus dem Schwarzwald hat meiner Meinung nach nichts mit einem “Oktoberfest” zu tun, sondern dient in diesem Zusammenhang offensichtlich nur zur Aufbesserung der Vereinskasse.

Dieses Bedürfnis ist nachvollziehbar. Vereinsarbeit kostet Geld und Mitgliedsbeiträge allein reichen oft nicht aus, um eine solide Vereinsarbeit zu gewährleisten. Die Frage ist nur, welche Wege ein Verein geht, um sich Geldmittel zu beschaffen? Es gibt dafür verschiedene Methoden: Spenden, Merchandising oder Sponsoring sind probate Mittel. Auch Feste sind sicherlich eine Möglichkeit.

Auf der anderen Seite lebt ein Verein aber ganz außerordentlich davon, dass sich die Menschen mit diesem, ihrem Verein identifizieren.

Sicherlich kann es nicht Ziel der TG sein, der “Oktoberfestverein” zu werden. Und es kann sicherlich nicht Ziel des Vereins sein, sich mit solch tumben Aushängen hervorzutun – oder doch?

Nach meiner Auffassung muss sich unabhängig der Verfasser dieser beiden “Zettel” der gesamte TG-Vorstand fragen lassen, ob er diese Form der Außendarstellung für sich akzeptiert oder vielleicht sogar in persona dafür verantwortlich ist? Immerhin hängen diese Zettel mindestens schon drei Tage in der Vereinsgaststätte. Unbemerkt geblieben können Sie nicht sein.

Sicherlich gefallen “Bratwurstartikel (das Wetter war gut, die Bratwurst lecker, das Bier kühl – siehe Mannheimer Morgen)“, wie ich die “übliche Vereinsmeiereiberichterstattung” der Tageszeitungen nenne, auf den ersten Blick gewissen Menschen besser. Doch interessieren solche Artikel bis auf einzelne Personen, die sich damit selbst bestätigt fühlen, eigentlich niemanden. Solche Texte sind mit ein Grund dafür, dass Zeitungen zunehmend Abonnenten verlieren und Vereine Mitglieder.

Solche Berichte haben nichts mit Journalismus zu tun, sondern sind neben aller bewussten Belanglosigkeit aus meiner Sicht mit Schuld daran, dass sich die Menschen von der verantwortungsvollen Aufgabe der Medien immer weniger versprechen. Die Verfasser solcher “Bratwurstartikel” sind Teil eines “Bratwurstsystems”, das heftig bemüht ist, jegliche kritische Auseinandersetzung zu vermeiden.

Solche Artikel sind keine “gute Berichterstattung” – ganz im Gegenteil handelt es sich um eine minderwertige Berichterstattung ohne jeglichen journalistischen Anspruch. Sie berichten eigentlich nichts.

oktoberfest

O'zapt is. Ist das das Image der TG? Bild: hblog

Mal abgesehen davon, dass sich ein TG-Vorsitzender samt Bürgermeister mit hochgerissenen Bierkrügen im Mannheimer Morgen nicht gerade als Vorbild für die Jugend darstellen. Was soll das sein? Die Meisterschaft im Bierkrugreißen? Ist die Botschaft: “Komm zur TG – O’zapft is?”

Was hat ein “Oktoberfest” mit der TG zu tun? Definitiv nichts. Wer das überstehen will, zieht sich einen halben Hahn samt toter Pommes rein, schüttet alles mit Bier runter und sagt später: “Es war toll.”

Der Text “Braucht Heddesheim ein Oktoberfest?” hingegen hat eine mehrtägige kontroverse Debatte im Ort ausgelöst und wurde auf dem heddesheimblog in den ersten Tagen nach dem Erscheinen rund 1.400 Mal abgerufen, insgesamt bislang über 1.800 Mal.

Damit hat der Text sein Ziel, nämlich die Menschen, erreicht: Eine offene Frage zu stellen, auf die es mehr als eine gültige Antwort gibt. Und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Vereine Geldmittel benötigen.

Aber auch die kritische Frage zu stellen, ob dafür jedes Mittel Recht ist und die “schnelle Einnahme” nicht langfristig das Image des Vereins in Mitleidenschaft ziehen könnte?

Der aktuelle Aushang in der Vereinsgaststätte der TG Heddesheim ist sicherlich hochgradig geeignet, das Image des Vereins massiv zu beschädigen.

Denn die anonym geschriebenen Bemerkungen zeugen von einem kneipenseligen Kleingeist und einer unreflektierten Unbeherrschtheit, von einer undemokratischen Haltung und einer subtilen Aggressivität.

Die anonyme Form beweist gleichzeitig eine hinterhältige Unsportlichkeit, derer sich jeder aufrichtige Verein zutiefst schämen muss und für die jeder Sportler egal welcher Disziplin sofort und zu Recht disqualifiziert würde.

In dieser wenig sportlichen “Form” hat sich mir auch der Vorstand Ewald Doll bereits “vorgestellt”. Auf dem Sängerfest hat mich der Mann körperlich angegangen – ohne Sinn und Verstand und ohne jeglichen nachvollziehbaren Grund.

Ich habe versucht, Herrn Doll sofort dafür zur Rede zu stellen. Seine Reaktion war uneinsichtig und es folgte eine massive Beleidigung gegenüber meiner “Person”. Mein Versuch, die Sache mit einer Entschuldigung seinerseits aus der Welt zu schaffen, hatte keinen Erfolg.

Auf eine Entschuldigung für dieses inakzeptable und ungebührige Verhalten warte ich bis heute.

Auf diesem Sängerfest sind übrigens neben einer Serienbildaufnahme, die das unehrenhafte Verhalten des Herrn Ewald Doll zweifelsfrei dokumentiert, gute Bilder der jungen TG-Turnerinnen entstanden, ebenso der Karate-Abteilung.

Auch über die Schwimmer oder andere sportliche Auftritte hat das heddesheimblog bereits mehrfach berichtet – vollkommen unabhängig und unbeeindruckt durch das ungebührliche und abstoßende Verhalten des TG-Vorsitzenden in der Öffentlichkeit.

So werde ich das auch weiterhin halten. Herr Doll ist nach wie vor dazu aufgerufen, sich in angemessener Form für seine Ausfälle zu entschuldigen.

Über die Aktivitäten der TG wird das heddesheimblog trotz dieser unangenehmen Begegnung weiterhin redaktionell unabhängig, objektiv und unvoreingenommen berichten.

Und wir werden weiterhin kritisch berichten, wenn dies aus Sicht der Redaktion notwendig ist.

Dazu gehört, dass wir durch unsere bisherige Erfahrung davon überzeugt sind, dass Herr Doll aus Sicht der Redaktion definitiv nicht “die TG” vertrittt – aber sicher ein persönliches Problem für den Verein ist.

Und gerne beantworte ich auch die Fragen des anonymen “TG-Mitglieds” und des anonymen Zettelschreibers:

  • Ja, ich darf mir erlauben, zu “allem” meine Meinung zu äußern – so wie jeder Mensch in Deutschland. In Wort, Bild und Schrift und allen anderen möglichen Formen. Das ist grundgesetzlich im Artikel 5 unser freiheitlich-demokratischen Verfassung garantiert. Auch wenn Sie offenkundig nicht verstehen können, dass das die TG mit einschließt.
  • Ob Heddesheim “einen Prothmann braucht” ist eine interessante Frage. 1,8 Millionen Aufrufe der Artikel im heddesheimblog seit Mai 2009 und täglich zwischen 1.700 und 2.000 Leserinnen und Lesern sind ein gutes Indiz dafür, dass der “Prothmann” offensichtlich das Interesse der Heddesheimerinnen und Heddesheimer findet.
    Ob jemand den “Prothmann braucht”, ist nicht abschließend zu beantworten, weil das Wort “brauchen” zu ungenau definiert, was die Frage eigentlich fragen will. Der oder die Fragestellerin “braucht” sicherlich keinen Prothmann, sondern nur ein oder mehrere Feierabendbiere, sonst hätte er/sie die Frage nicht auf einem Wirtshauszettel notiert, sondern einen ordentlichen Text mit einer ordentlichen These unter eigenem Namen verfasst.

Ich erlaube mir, den Gesamtvorstand der TG Heddesheim aus gegebenem Anlass auf die eigene Satzung hinweisen:

“§ 5 Austritt, Ausschluss, Vereinsstrafen, Ende der Mitgliedschaft … Der Ausschluss eines Mitglieds kann durch den Gesamtvorstand aus folgenden Gründen erfolgen:

b) wegen grob unsportlichen Betragens, unehrenhaften Verhaltens, Unehrlichkeit oder sonstiger, das Ansehen des Vereins schädigender Handlungen oder öffentlicher Äußerungen.
Die Entscheidung ist dem Mitglied schriftlich bekannt zu machen. Der Ausgeschlossene verliert jeden Anspruch an den Verein, bleibt jedoch für einen dem Verein zugefügten Schaden haftbar. ….
§ 6 Rechte und Pflichten der Mitglieder

Alle Vereinsmitglieder sind verpflichtet, das Ansehen des Vereins zu wahren, … Satzungen und Ordnungen einzuhalten.”

Sehr geehrte Damen und Herren. Sie haben die Möglichkeit, auf diesen offenen Brief aus Ihrer Sicht angemessen zu reagieren.

Das heißt, Sie können nichts tun und Sie können auch die “Aushänge” aushängen lassen. Dadurch würden Sie öffentlich bestätigen, dass Sie diese minimalistische und offenkundig dumme Form der “Meinungsäußerung” eines “TG-Mitglieds” sowie eines anonymen “Kneipenzettelschreibers” als TG-Vorstands als angemessen im Umgang mit einer kritischen Presse betrachten.

Sie haben aber sicherlich auch andere Möglichkeiten. Welche auch immer Sie wählen, ich bin überzeugt davon, dass die Heddesheimer Öffentlichkeit Sie als Vorstandsmitglieder mit großem Interesse sehr genau an der Wahl Ihrer Reaktion messen wird.

Mit freundlichen Grüßen

Hardy Prothmann

hardyprothmann

Kommentare

  1. soziales Gewissen meint:

    Ja, es braucht einen Prothmann in Heddesheim. Es hätte einer solchen Institution schon viel früher bedurft. Was es sicher
    nicht braucht, das sind Vereinsvorstände, die Ihre Funktion
    nicht ausfüllen. Vorstände, die zum Nachteil von Vereinen agieren, sollten aus dem Selbstverständnis eines Vereins heraus
    zwingend entfernt werden. Vorbildeigenschaft: mangelhaft!!!
    Solche dümmlichen Publikationen zu billigen, zeigt die Geistes-haltung der Person(en).

  2. Markus Müller meint:

    Ich lese das Blog mit Interesse, obwohl ich anderswo wohne. Ich habe lange in einer Gemeinde ähnlicher Größe gelebt und kenne die sozialen Vorgänge.

    Die Probleme hier: der Blogbetreiber verstößt gegen ungeschriebene Dorf-Regeln. Also sowas wie “Das haben wir hier immer schon so gemacht”.

    Gleichzeitig sind die Leute unfähig, sich angemessen zu äußern. Mehr als Anpöbeln bzw. Zurückpöbeln haben viele leider nicht drauf.

    Stichwort: Medienkompetenz, wer hat die schon? Wer kann schon als Antwort geschliffene Artikel formulieren? Prothmann verlangt seinen “Mitbewohnern” ziemlich viel ab.

    Ich selbst würde nicht jede kleine Pöbelei hier an die große Glocke hängen, nicht jeden Anschnauzer gleich als Artikel veröffentlichen – sonst schaukelt sich das Ganze zu sehr hoch.

    Ein bisschen mehr Gelassenheit täte beiden Seiten gut. So ein Blog kann eine gute Sachen sein, gerade weil es nicht jede Jubel-Pressemitteilung wortwörtlich abdruckt (wie die Lokalzeitung es normalerweise macht). Aber es muss mit Augenmaß betrieben werden.

  3. Mediaberater meint:

    Meine bescheidene Meinung als “Nicht-Heddesheimer”:

    Nicht nur Heddesheim braucht einen Prothmann! Viele Gemeinden brauchen einen Prothmann! Und immer mehr Gemeinden haben schon oder bekommen noch einen Prothmann!

    Prothmann ist die bessere Variante des “Bürgerjournalismus”.

    Ich wünsche auf jeden Fall viel Glück für den Fortbestand und den Ausbau des Heddesheimblog.

    Karsten Schäfer

  4. Snake Plissken meint:

    Auf jeden Fall braucht Heddesheim einen “Prothmann”. Denn ich habe den Eindruck gewonnen, dass ich seltsamerweise nur hier eine objektive Berichterstattung bekomme, gleich zu welchem Thema. Finde, dass dieses Medium durchaus auch noch ausgebaut werden sollte. Und ist es nicht gerade auch die manchmal spitze Feder, die Artikel erst richtig zur Geltung kommen läßt? Sind es nicht unsre “alteingesessenen” Medien die eine objektive Sichtweise vermissen lassen (ob gewollt oder nicht gekonnt sei mal dahingestellt)?

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