Guten Tag!
Heddesheim, 22. Oktober 2009. Das Weingut Schröder setzt auf Qualität – zu Recht. Vor kurzem hat die Winzerin Judith Schmidt zehn Weine eingereicht und zehn Preise erhalten. Erfolgsquote: 100 Prozent. Die Qualität hat ihren Preis – Weine für 2,99 Euro gibt es beim Weingut Schröder nicht – aber im Bereich von fünf bis vierzehn Euro jede Menge Weinerlebnisse, die ihren Preis wert sind.
Im Interview mit dem heddesheimblog spricht Winzerin Judith Schmidt über harte Arbeit, hohe Handwerkskunst, die Liebe zur Natur und die Lust auf schöne Überraschungen. Die Frau ist Winzerin aus Leidenschaft.

10 Weine - zehn Preise. Foto: hblog
Interview: Hardy Prothmann
Herzlichen Glückwunsch, Frau Schmidt. Sechs Mal Gold und vier Mal Silber bei zehn eingereichten Weinen ist eine 100-prozentige Erfolgsquote. Verraten Sie uns das Geheimnis Ihres Erfolgs?
Judith Schmidt (lacht): “Ganz ehrlich? Das schafft man nur mit einem enormen Arbeitsaufwand. Das ist der größte Teil des Geheimnisses.”
Was macht denn soviel Arbeit?
“Im Weinberg reißen wir zum Beispiel die Reihen auf, dass heißt, jede zweite Reihe wird von uns aufgelockert. Je nachdem, wie wir das machen, können wir den Wasserhaushalt der Reben steuern.”
“Das Blatt-Fruchtverhältnis muss stimmen.” Judith Schmidt
Bekommen die Reben eine spezielle Pflege?
“Natürlich. Die Optimierung ist alles. Die Details zu erzählen würde zu lange dauern. Ein wichtiges Beispiel: Wir achten sehr auf eine gute Laubarbeit. Das heißt, in der Traubenzone machen wir die Blätter ganz weg. Auf dem “Rebziegeldach” lassen wir sie bis auf die älteren Blätter stehen. Hier ist die Energiezentrale, die gleichzeitig als Sonnenschutz für die Früchte funktioniert. Und unten gibt es genug Raum und Luft für die Trauben. Das Blatt-Fruchtverhältnis muss stimmen.”

Eheleute Steffen und Judith Schmidt vom Weingut & Obsthof Schröder. "Für mich zählt die Qualität und das Erlebnis", sagt Judith Schmidt. Sie reicht 2009 zehn Weine ein und erhält sechs Mal Gold und vier Mal Silber. Foto: hblog
Es geht darum, gerade so viele Blätter zu lassen, damit die “Produktion” am besten läuft?
“Ungefähr so kann man sich das vorstellen. Nach 40 Tagen ist ein Blatt nicht mehr so leistungsfähig, die holen wir raus: Wir schneiden die Triebe so, dass nichts herauswächst, sondern das Dach möglichst dicht ist.”
Wie wichtig ist die “Lage”, also der Weinberg für die Produktion?
“Enorm wichtig. Wir haben einen ganz wunderbaren tiefgründigen Lössboden in Weinheim. Ich sag immer: Da kommt mir kein Dornfelder drauf.”
Wir halten Sie es mit dem Düngen?
“Davon halte ich gar nichts. Wir verwenden keinen Dünger, der Boden hat genug Nährstoffe.”
“Unsere Weine sind ihren Preis wert.” Judith Schmidt
Das heißt, Sie machen Öko-Wein?
“Nein, wir versuchen aber, den Prozess so ökologisch wie möglich zu steuern. Mein Ziel durch die intensive Arbeit an der Pflanze ist, dass die Trauben eine dickere Schale entwickeln. Der Vorteil ist: Die Traube wird resistenter gegen Krankheiten und Schädlinge und ich erhalte für den Wein mehr Aromastoffe und mehr Frucht.”
Und das geht nur in Handarbeit?
“Genau – und das macht den enormen Arbeitsaufwand aus.”
Der sich dann auch im Preis niederschlägt?
“Ja. Unsere Weine sind aber ihre Preise wert. Schlechten Wein kann jeder machen, der kostet dann auch nicht wirklich was. Ein guter Wein verdient sich durch Arbeit seinen Preis. Die Arbeit mache ich übrigens nicht alleine: Alle, mein Vater, der überwiegend die Arbeit im Berg macht über die Erntehelfer bis hin zu mir im Weinkeller und viele andere – jeder leistet seinen Beitrag.”
In jedem Geschäft gibt es Risiken. Was fürchten Sie am meisten?
“Dass das Produkt, was man sich übers Jahr erarbeitet hat, durch einen einzigen Fehler Schaden erleidet.”
“Man kann Weine mit Tricks trinkbar machen oder schönen.
Wir können uns das nicht erlauben.”
Heißt was?
“Wenn die Trauben gelesen sind, werden Sie gepresst und kommen in unsere Tanks. Wenn man hier einen Fehler macht, kann innerhalb von Stunden eine gute Ernte vernichtet werden. Jeder Handgriff muss hier überlegt sein und es gibt keine echte Routine, weil Wein ein Naturprodukt ist und jede Ernte anders.”
Alle Menschen machen Fehler.
“Ja, ich auch, aber mein größter Ehrgeiz ist, keine zu machen. Sicher kann man mit Tricks “verunglückte” Weine noch trinkbar machen oder schönen. Aber das können wir uns nicht erlauben. Wir bestehen im Markt nur mit bester Qualität.”
Die haben Sie mit den vielen Medaillen gerade wieder bewiesen. Was lehnen Sie beispielsweise als “Schönung” ab?
“Ganz klar die Beigabe von Chips. Unsere Barrique-Weine kommen ins Fass und erhalten daraus ihren Geschmack. Und ich nehme zum Beispiel auch in Kauf, dass unsere Weine manchmal Weinstein haben. Das ist natürlich und für mich kein Grund mit Chemie zu arbeiten.”

Judith Schmidt und ihre zehn Medaillenträger aus 2009. Darunter ein Spätburgunder trocken - Collection "Heinrich" (Gold), den sie ihrem Urgroßvater gewidmet hat. Foto: hblog
Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an Ihren Weinen?
“Ich arbeite eng mit der Natur. Dieses Jahr zum Beispiel haben wir bestimmt 30 Prozent weniger Ertrag, weil es zu wenig geregnet hat. Die Oechsle-Zahl liegt über 105 und drüber. Das heißt, ich habe viel Zucker und wenig Saft in den Trauben. Daraus mache ich den Wein, der möglich ist und biege mir nicht das hin, was die Kunden angeblich vielleicht eher wollen.”
Was zum Beispiel?
“Mein Mann würde sagen: Der verkaufte Wein ist der beste Wein. (lacht) Der ist ja auch BWLer und der Verkauf ist seine Aufgabe. Mein Mann hat mir als Kaufmann gerade Druck gemacht, weil unser Barriquewein ausgegangen ist und gefragt hat, ob ich die neue Produktion nicht etwas beschleunigen könnte. Meine Antwort war ein klares Nein. Die Kunden müssen sich halt bis Dezember oder Januar gedulden – vorher ist der Wein nicht von sich aus fertig. Für ihn als Kaufmann ist das natürlich keine gute Botschaft – aber er versteht das am Besten, weil ich als “Lieferant” und zufällig als Ehefrau dafür einstehe.”
“Wenn alles gleich schmeckt ist das doch grässlich.
Wo bleibt da das Erlebnis, die Überraschung?” Judith Schmidt
Würden die Kunden den Unterschied wirklich schmecken?
“Das ist nicht das erste, was mich beschäftigt. Meine Kunden sollen wissen, dass unser Wein mit viel Mühe und Liebe erarbeitet wurde und jeder Wein seine Zeit zur Reife braucht. Darauf können sich unsere Kunden verlassen. Die optimale Qualität ist das Ziel. Deswegen schmeckt unser Wein auch nie gleich – denn als Gewächs ist er immer anderen Bedingungen ausgesetzt. Jeder Jahrgang hat seine individuelle Note und das schätzen unsere Kunden.”
In der Nahrungsmittelindustrie wird aber doch genau das versucht. Ein Produkt soll unbedingt wiedererkennbar sein.
“Das interessiert mich nicht. Weine, die immer gleich schmecken sind doch einfach schrecklich – auch wenn sie gut sind. Ich finde diese Gleichmacherei grässlich. Das macht doch keinen Sinn. Wo bleibt da das Erlebnis, die Überraschung?”
“Die diesjährige Ernte hat praktisch nur Spätlese gebracht – die kommt direkt ins Barrique-Fass.”
Das verraten Sie uns bestimmt jetzt: Was passiert mit der diesjährigen Ernte?
“Wir haben durch die hohe Oechslezahl dieses Jahr praktisch nur Spätlese im Keller. Die kommt komplett ins Barriquefass und reift dort mindestens zwölf Monate. Zur Zeit liegt der Wein noch auf der Hefe.”
Wie ist Ihre Einschätzung? Kommt da wieder ein preisverdächtiger Wein bei raus?
(lacht): “Das entscheiden die Preisrichter – aber ich gebe wie immer mein Bestes.”
Hintergrund:
Judith Schmidt, geborene Schröder, ist Weinküferin und seit 2000 Winzermeisterin. Sie und ihr Mann Steffen betreiben das Weingut & Obsthof Schröder in Muckensturm, wohin ihre Eltern 1984 aussiedelten. Frau Schmidt hat den Betrieb von ihrem Vater in 6. Generation übernommen – seit über 250 Jahren ist die Familie im Weinbau tätig.
Der Vater arbeitet in den Weinbergen der Lagen Stephansberg (Lützelsachsen) und Rittersberg (Weinheim), die Tochter macht den Wein und ihr Mann ist als Betriebswirt für das “Geschäftliche” zuständig. Zusammen haben die beiden drei Kinder.
2009 reichte Frau Schmidt zehn Weine ein und bekam sechs Mal die Goldmedaille des Badischen Weinbauverbands sowie vier Mal die Silbermedaille. Ein 100-prozentiger Erfolg also – wobei die Schröderschen Weine auch in der Vergangenheit schon oft prämiert wurden.
Rund 60 Prozent des Anbaus sind Rotweine wie Spätburgunder, Saint Laurent und Pinot Noir, als weiße Trauben werden Weiß- und Grauburgunder, Rivaner und Riesling angebaut. Mit nur 5 Hektar ist das Weingut Schröder eher ein kleines Gut – aber ein feines. Um sich zu behaupten, setzten die Schmidts ganz auf Qualität, die kostet fünf bis vierzehn Euro pro Flasche Wein.
Zusätzlich bieten die Schmidts auf dem Weingut & Obsthof Schröder natürlich Obst, Delikatessen, Essige, Säfte, Senf, Liköre und Edelbrände an.
Immer ausgebucht sind spezielle “Wein & Schokolade”-Seminare und Gesellschaften, Hochzeiten und Firmen buchen gerne die Räumlichkeiten des mediterranen Wohlfühlambientes des Weinguts für Feste.















Sehr interessantes Interview !
Respekt vor der vielen Arbeit, die in einem solchen “Produkt” steckt. Und Respekt vor der Einstellung von Frau Schmidt.
Gute (regionale) Lebensmittel haben ihren Preis.
Es wäre schön, wenn dies immer mehr Mitbürger verstehen und auch beim Einkauf beachten.
Ich werde am Wochenende mal einkaufen und “testen”. Prost.
P.S. Sehr schön, zwischendurch auch mal wieder etwas anderes zu Lesen als zum Thema “Pfennig”.
Guten Tag!
Danke für Ihren Beitrag.
Uns hat das Interview auch viel Spaß gemacht, weil Frau Schmidt nicht nur ihren Wein präsentiert, sondern eine überzeugende Haltung vertritt und interessante Hintergründe zu erzählen hat – sehr sympathisch noch dazu.
Wir müssen Sie aber korrigieren: “Pfenning” ist nur ein Thema unter vielen, zu denen Sie sich hier auf dem heddesheimblog informieren können.
Einen schönen Tag wünscht
Das heddesheimblog
Gratulation !
Die Weine von Schröder sind
wirklich fein!
Habe schon einige getrunken!
Bin ein Spätburgunder und
Riesling-Fan.
Die Preise dort sind i.O.!
Guten Tag Herr Prothmann,
da habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt. Die Diskussion über Pfenning war und ist wichtig. Und das heddesheimblog war und ist das einzige Medium, wo eine wirkliche Auseinandersetzung mit diesem Thema stattfindet.
Selbstverständlich sehe ich auch, dass das heddesheimblog nicht nur über das Thema Pfenning schreibt und diskutiert. Ich fand u.A. auch die verschiedenen Aspekte zum Thema „Oktoberfest in Heddesheim“ sehr interessant; oder auch „Wer braucht die Kerwe“.
Da ich (fast) jeden Tag in’s heddesheimblog schaue, ist es eben auffällig, wenn mal einige Tage nicht die Auseinandersetzung um Pfenning im Vordergrund steht, sonder ein so gutes und anregendes Interview wie mit Frau Schmidt vom Weingut Schröder im Muckensturm. Das spricht doch die Lebensfreude an.
Viele Grüße und weiterhin gute Recherchen und Reportagen !
Wann geht der Hirschbergblog live?
Der Hirschburger
Guten Tag!
Danke für Ihren Beitrag.
Das hirschbergblog war für Oktober anvisiert und wird definitiv im November 2009 starten. Wir freuen uns darauf, das erfolgreiche Konzept des heddesheimblogs Schritt für Schritt zu erweitern.
Und wir freuen uns auf die Hirschberger – schreiben Sie uns, was Sie bewegt, zu welchen Themen Sie von der Redaktion hintergründige Berichte erwarten.
Einen schönen Tag wünscht
Das heddesheimblog, Das hirschbergblog