Guten Tag!
Heddesheim, 24. August 2009. Die Tennis-Regeln sind ziemlich einfach. Die Tennis-Welt hingegen nicht. Notizen über eine absurde Begegnung.
Von Hardy Prothmann
Kurz nach 14:00 Uhr treffe ich am Sonntag, den 24. August 2009, im Heddesheimer Tennis-Club ein. Mein Begehr: Ein paar schöne Bilder von der Tennis-Jugend machen, ein paar Zeilen dazu schreiben. Nichts Aufregendes. Einfach ein Lokaltermin – journalistisch eher anspruchslos.
Doch es kommt anders. Ich spreche einen Mann an, der aussieht, als hätte er etwas mit dem Turnier zu tun. Man begrüßt sich. Der Mann ist der Turnierleiter und Sportjugendwart und Tennistrainer Holger Fuchs aus Leimen.
“Super, dann bin ich bei Ihnen ja richtig, um Informationen zu erhalten. Ich würde gerne Bilder machen, wo kann ich das am besten?”, frage ich.
“Wichtig ist, dass unser Sponsor auf dem Bild ist.” Holger Fuchs
Der Herr Jugendwart und Turnierleiter Fuchs führt mich weg von den Tennisplätzen, auf denen die Kinder und Jugendlichen ihr Turnier austragen und um jeden Punkt kämpfen. Hin zu einem Tisch, auf dem die Pokale stehen: “Hier wird später das Gruppenfoto gemacht. Wichtig ist, dass unser Sponsor mit auf dem Bild ist.” Herr Fuchs grinst, aber er meint das ganz ernst.

Gerne hätten wir die Sieger mit ihren Pokalen gezeigt... aber ohne den Sponsor im Bild kein Foto. Wir haben deshalb verzichtet. Bild: heddesheimblog
Ich gucke Herrn Fuchs verwundert an und sage: “Entschuldigen Sie, aber was ich fotografiere, entscheide ich selbst.” Herr Fuchs sagt: “Der Sponsor muss mit auf dem Bild sein.” Ich sage: “Mit müssen habe ich so meine Schwierigkeiten. Warum sollte ich ein Bild mit Werbung für den Sponsor veröffentlichen? Wenn der Sponsor bei mir Werbung machen will, kann er das gerne tun. Unabhängig davon berichte ich als Journalist frei von Sponsoren.” Herr Fuchs sagt: “Das ist die Bedingung, kein Gruppenfoto und kein Bericht ohne unseren Sponsor.” Ich sage: “Ist das das Wort zum Sonntag?” Herr Fuchs sagt: “Ja.” Neben Herrn Fuchs steht der “Pressewart” Thomas Fritz. Der sagt kein Wort, aber auch er lächelt freundlich.

Der eine hat den Ball und den Punkt im Blick... Bild: hblog
Ich sage: “Gut, wenn das so ist, gehe ich und werde ihren Vorstand über dieses mehr als seltsame Gespräch informieren.” Das interessiert weder Herrn Fuchs noch Herr Fritz. Man gibt sich die Hand, Herr Fuchs und Herr Fritz lächeln freundlich und ich verlasse den Ort.
Ich informiere telefonisch den Vorstand Michael Bowien über die seltsame Begegnung. Dem Mann ist das unangenehm. Eigentlich hat er nur den Turnierverlauf im Sinn, dass er sich jetzt mit der Frage von Journalismus in Zeiten des “Sponsoring” auseinandersetzen muss, hatte er nicht auf dem Zettel.
Herr Bowien versteht sofort, dass bei dieser Begegnung “etwas schief gelaufen ist” und bemüht sich um Ausgleich.
Also komme ich eine Stunde später wieder in den Club. Ich erhalte “exklusive Vorstandsbetreuung” durch Herrn Bowien, der mir Informationen zum Turnier gibt.
Die sind eher banal – was auch sonst? Rund 60 Kinder und Jugendliche tragen ein Tennisturnier aus. Sensationsjournalismus geht anders. Es geht um Lokalkolorit, um Vereinsberichterstattung, um die Mühe, im Alltag zwischen viel wichtigeren Nachrichten wahrgenommen zu werden.
Dann kommt Herr Fuchs bei uns vorbei. Eine gute Gelegenheit, die Sache von vorhin zu klären, denke ich: “Herr Fuchs, wissen Sie inzwischen, was die Aufgabe der Presse ist?”, frage ich. Herr Fuchs sagt: “Nein, ich weiß nur, dass Sie fotografieren wollen und der Sponsor mit aufs Bild soll.”
“Es geht darum, dass es üblich ist, dass der Sponsor ins Bild kommt.” Holger Fuchs
“Dann wissen Sie wenig über die Presse.” Herr Fuchs sagt: “Das stimmt. Aber darum geht es nicht.”
“Worum geht es dann?”, frage ich. “Darum, dass das Turnier ohne unseren Sponsor so nicht möglich wäre”, sagt Herr Fuchs.
Ich sage: “Das ist interessant. Sie sind doch Sportler. Geht es hier um den Sport und die jungen Sportler oder um den Sponsor?” Herr Fuchs sagt: “Es geht darum, dass es üblich ist, dass die Presse den Sponsor fotografiert, denn der zahlt schließlich und damit gibt es die Turniere.”

der andere den Sponsor. Preisverleihung, dahin in die Kamera schauen und ab. Bild: hblog
Ich sage: “Ich bin hier wegen des Sports und darüber will ich berichten.” Herr Fuchs sagt: “Das können Sie, wenn Sie über den Sponsor berichten. Das ist so üblich, alle Pressefotografen machen das so. Bei großen Marken wie Benz oder anderen ist das doch auch so.”
Gruppenfoto mit Sponsor als “Aufgabe” für den Journalismus.
Ich sage: “Das mag so sein, aber was für Sie “üblich” ist, ist für mich übler Journalismus. Ich bin eigentlich nicht hier, um über das verkommene System des Sport-Sponsorings zu berichten, sondern nur über ein Jugendturnier.” Herr Fuchs sagt: “Aber so ist das nunmal. Darüber mache ich mir keine Gedanken. Der Sponsor hat schließlich viel Geld bezahlt.”
“Wieviel?”, frage ich. “Das werde ich Ihnen nicht sagen”, sagt Herr Fuchs und grinst.
Und: “Was Sie schreiben, kann ich nicht beeinflussen. Das wissen Sie genau. Aber das Gruppenbild wird nur mit unserem Sponsor gemacht. Was anderes interessiert mich auch nicht, weil ich Ihren Text bestimmt nicht lese.”
Herr Fuchs hat zu tun und geht weiter.
Und ich habe viel dazu gelernt. Über einen Jugendwart und wie er seine Aufgabe sieht. Und über einen Heddesheimer Verein, der sich sicher nicht wesentlich von anderen Vereinen im Rhein-Neckar-Kreis oder anderswo in Deutschland unterscheidet. Und über das Sponsoring, das schon U10 einschließt.
Und darüber, welche Rolle “üblicherweise” der “Lokaljournalismus” spielt: Gruppenfoto mit Sponsor. Aufgabe erfüllt.
Die vollständig ignorante Haltung dieses Jugendwarts, dem der Sponsor wichtiger ist als der sportliche Wettkampf seiner “Schützlinge”, ist eigentlich nicht überraschend.
Überraschend ist, mit welcher selbstverständlichen Gleichgültigkeit Herr Fuchs auftritt. Für ihn sind Journalisten nur Promoter für seine Sponsoren.
“Das ist mir egal.” Norman Kohl
Bevor ich gehe, treffe ich noch Herrn Norman Kohl von Kohl-Sport, dem Hauptsponsoren. Ich schildere ihm kurz die unerfreuliche Begegnung. Herr Kohl grinst irgendwie wie Herr Fuchs und sagt: “Das ist mir egal.” Dann grinst er noch mehr.
“Für Sie geht das so in Ordnung?”, frage ich Herrn Kohl. Herr Kohl sagt: “Ja.”
“Und mehr sagen Sie dazu nicht?”, frage ich. Herr Kohl sagt: “Was gibt es dazu mehr zu sagen?”, und grinst.
Ich sage: “Naja, wäre Herr Fuchs etwas “geschickter” gewesen, hätte ich vielleicht das Foto so gemacht, wie er es wollte, schließlich ermöglicht das “Sponsoring” ja das Turnier und mal abgesehen von den Hintergründen finde ich es gut, wenn die jungen Sportler sich messen können.”
Herr Kohl sagt: “Für mich geht das so in Ordnung.” Und grinst wieder.
Warum Herrn Kohl dieses kurze Gespräch dauernd zum Grinsen brachte, habe ich nicht verstanden. Ebenso wenig, warum Herr Fuchs immer grinste.
Offensichtlich verstehen die beiden mehr als ich vom Tennis und vom Sponsoring. Das gebe ich zu.














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