Donnerstag, 17. Mai 2012

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Die 100-Millionen-Euro-Frage

Am 02. Juli 2009 haben sich 20 Vertreter unterschiedlicher Interessen im Heddesheimer Bürgerhaus getroffen, um einen “Dialog” über die geplante Pfenning-Ansiedlung zu führen.

Kommentar: Hardy Prothmann

Im Gespräch zu sein, ist etwas Gutes. Wer miteinander spricht, sagt, was er denkt und hört, was der andere denkt.

Wenn sich die Gesprächspartner aufeinander einlassen, denken sie sogar über das Gehörte nach und je mehr sie diese Erfahrung machen, um so mehr denken sie nach, über das, was sie sagen.

Und wenn das Gespräch “ergebnisoffen” ist, finden sie im Idealfall am Ende eine “gemeinsame Position”.

Die IFOK will der Moderator eines solchen Gespräches sein. Die IFOK bekommt dafür aber Geld und das von einem der “Gesprächspartner”.

Damit haftet der Mangel der Bezahlung an der IFOK und ihrem Auftraggeber, dem Bürgermeister. Der wird sagen, der Gemeinderat wollte das so, um von sich abzulenken und dem Auftrag einen allgemein-politischen Willen zu verleihen.

Der Bürgermeister ist aber nicht glücklich mit der IFOK. Der Auftrag an die PR-Firma kostet seinen Haushalt (also das, wofür er verantwortlich ist, die sinnvolle Ausgabe von Steuergeldern) vermutlich ein Heidengeld und es geht nur zäh voran.

Während alle “Dialog”-Teilnehmer nach der Sitzung schon auf dem Weg nach Hause sind, bespricht er sich im Anschluss an den Dialog noch mit den Vertretern von Pfenning und der IFOK.

Der als “Strahlemann” bekannte Ortschef ist nachhaltig gestresst. Er weiß, dass er, was auch immer er wollte, es gründlich falsch angegangen ist.

Deswegen hat er ja auch (vermutlich) viel Geld in die Hand genommen, damit dieser Fehler, an seinen Bürgern vorbei etwas “durchzuziehen”, wieder als sein Erfolg dastehen kann, wenn er es durchgezogen hat.

Der Weg, den er beschritten hat, ist kein leichter, wie Xavier Naidoo singt. Sondern steinig und schwer.

Die schwerste Entscheidung, die der Bürgermeister treffen kann, ist, über seinen Schatten zu springen und sich als Meister seiner Bürger zu präsentieren.

Der Schatten ist seine Vergangenheit. Er muss kein 100-Millionen-Euro-Kessler werden, um seinen im Ort sehr bekannten Bürgermeister-Vater zu überflügeln.

Der Dichter Matthias Claudius, der vielleicht der Gründer des deutschen Feuilletons ist, hat ein schönes Gedicht geschrieben: Deutsches Weihelied.

Darin steht, wie es auch anders geht:

“Gut sein! Gut sein! ist viel getan,
Erobern ist nur wenig;
Der König sei der bess’re Mann,
Sonst sei der Bess’re König!”

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