Donnerstag, 17. Mai 2012

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Herr Kessler ist in Not

Bürgermeister Kessler wendet sich mit sechs vollgeschriebenen Seiten an die Heddesheimer. Wann hat es das im “Mitteilungsblatt” das letzte Mal gegeben?

Kommentar: Hardy Prothmann

Bürgermeister Kessler reagiert auf die Interessengemeinschaft (IG) neinzupfenning mit aller ihm zur Verfügung stehenden publizistischen Wucht.
Die umfangreiche Pro-Pfenning-Berichterstattung im Mannheimer Morgen scheint ihm nicht ausreichend genug zu sein, um das Pfenning-Projekt zu verteidigen.

Attacke
In dieser Rolle befindet sich der Bürgermeister der 12.000 Einwohner zählenden Gemeinde nun: in der Verteidigung. Und die reitet er in der Attacke gegen die IG neinzupfenning.
Alle Heddesheimer Haushalte (auch die Nicht-Abonnenten) haben heute das Mitteilungsblatt im Briefkasten vorgefunden.
Die gedankliche Klammer hinter dem Artikel beginnt im zweiten Absatz der Postulation: “Die von der Interessengemeinschaft in einem Flugblatt genannten falschen Zahlen konnten bei der Info-Veranstaltung widerlegt werden”. Sie endet nach sechs Seiten im Fazit mit der Feststellung im letzten Satz: “Die von der Interessengemeinschaft vorgebrachten Vorbehalte sind damit weitgehend entkräftet”, schreibt Herr Kessler.
Moment Mal, weitgehend? Sind also nicht alle Vorwürfe entkräftet? Wenn dem nicht so ist, teilt Herr Kessler auf sechs zäh zu lesenden Seiten aber nicht mit, was nicht entkräftet wurde.

21.600-43.200 vs. 80.000
Er sagt auch nicht, was seine Zahl ist, sie lässt sich aber aus seinen Angaben errechnen: “saisonal bedingt” können “bis zu 3 Lkw-Bewegungen” pro Stunde auftreten. Mal 24 Stunden, mal 300 Tage (siehe Lkw-Fahrverbote) heißt das Ergebnis 21.600, mal zwei, falls die zweite Ausbaustufe realisiert wird: 43.200 Lkw durch und um Heddesheim. 3 pro Stunde liest sich anders als 21.600 oder 43.200 im Jahr.
Und das sind nur “5 % der Lkw-Verkehre” wie Herr Kessler nun erstmals schriftlich für die Öffentlichkeit feststellt. Sofern sich alle Lkw-Subunternehmer an eine “betriebliche Anweisung” durch das Unternehmen Pfenning halten. Die IG hatte von bis zu 80.000 Lkw-Fahrten geschrieben – aber sie hatte auch nur unzureichende Informationen.
Zur Erinnerung: Im Februar Januar beschließt der Gemeinderat in nicht-öffentlicher Sitzung die Pfenning-Ansiedlung. Erst am 21. April wird die Heddesheimer Öffentlichkeit halbwegs ordentlich über diese geplante Ansiedlung unterrichtet. Wiederum zwei Wochen später wird das Projekt erstmals schriftlich durch die Verantwortlichen vorgestellt.

Die IG Pfenning führt nach Punkten
Ohne die Interessengemeinschaft neinzupfenning hätte es diese pompöse Auflistung sicher nicht gegeben. Deswegen führt die IG in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich nach Punkten. Sie hat die Sorgen und Ängste des einzelnen Heddesheimer Bürgers erstmals ins öffentliche Bewusstsein gebracht – nicht der erste Mann im Dorf, dessen vornehmlichste Aufgabe es sein muss, diese Sorgen zu kennen, zu respektieren und alles in seiner Macht Mögliche zu tun, um sie auszuräumen.

Erschlagt den Boten
Stattdessen wird keine Gelegenheit ausgelassen, die IG auf ihre Initiatoren zurückzuwerfen: Die Gewerbetreibenden, die auf ihren Betriebsgeländen wohnen. Doch wer kann ihnen das verdenken? Versetzt man sich in ihre Lage, ist ihr ganz egoistisches Interesse sofort zu verstehen.
Die Strategie Herrn Kesslers ist einfach zu durchschauen: Nicht der Verursacher, sondern der Überbringer schlechter Nachrichten soll erschlagen werden.
Aber wer ist denn verantwortlich für die Vorbehalte, muss man sich da fragen? Jedenfalls nicht die IG neinzupfenning, sondern die Geheimniskrämerei des Bürgermeisters und aller Gemeinderäte zusammen.

Hoffnungen und Sorgen
Die Gruppe derer, die große Sorgen haben, wächst zunehmend und hat keine Verbindungen zu den Gewerbetreibenden. Das sind ganz normale Heddesheimer Bürger, Frauen wie Männer, Alte und Junge, die sich täglich einer unzumutbaren Verkehrsbelastung ausgesetzt sehen. Die werden nun mit einer Bleiwüste erschlagen.
Herr Kessler schreibt: “Ich habe die große Hoffnung, dass es uns gelingt, durch fundierte Aussagen noch vorhandene Vorbehalte der Bevölkerung abzubauen.”
Diese Veröffentlichung tun sich nur Menschen an, die es genau wissen wollen, allen anderen kann Herr Kessler später sagen: “Wir haben das öffentlich gemacht!”
Und er wird es sagen und wird – in diesem Punkt – Recht behalten.
Gleichzeitig schürt Herr Kessler Hoffnungen bei der Bevölkerung, die nicht (bald) zutreffen werden: Beispielsweise die Mär von den Durchfahrtsverboten (siehe Interview Umgehungsstraße). Es wird sie nicht geben, solange die Straßen zu Kreis und Land gehören.
Und das kann noch lange dauern. Herr Kessler weiß das! Und er weiß ebenso: Ein Denkmal für sich selbst, setzt man nur einmal im Leben.
Bei der IG neinzupfenning dürften heute trotzdem die Sektkorken geknallt haben, weil ein Bürgermeister sich zu solch einer “Stellungnahme der Gemeinde” genötigt gesehen hat.

Herr Kessler ist also in Not, aber er ist kein Opfer, sondern ein Verantwortlicher.

Kommentare

  1. admin meint:

    karlo1, Freitag, 8. Mai 2009, 00:11
    Der Beschluss im Februar wurde tatsächlich in öffentlicher Sitzung gefasst, nachzulesen in der Tagesordung der Sitzung auf der Gemeindehomepage. Da können sie noch so oft das Gegenteil behaupten, es wird nicht wahrer.

    cest ca, Freitag, 8. Mai 2009, 00:26
    “Bürgermeister Kessler reagiert auf die Interessengemeinschaft (IG) neinzupfenning mit aller ihm zur Verfügung stehenden publizistischen Wucht.
    Die umfangreiche Pro-Pfenning-Berichterstattung im Mannheimer Morgen scheint ihm nicht ausreichend genug zu sein, um das Pfenning-Projekt zu verteidigen.”

    Ist das so? Ist das schon alle “publizistische Wucht” die ein Bürgermeister so hat? Und die umfangreiche Berichterstattung im Mannheimer Morgen war Pro-Pfenning? Ich habe da die falsche Ausgabe. in meiner Zeitung war sehr viel Kritisches zu dem Projekt zu lesen. Die IG und Herr Fleckenstein bekamen viel Raum für Äusserungen. Auch der Kommentar war eher Anti als neutral. Ich würde mich viel mehr dafür interessieren, wie zuverlässig die Gutachten sind. Da fehlen noch Fakten, wäre toll wenn da mehr Hintergrundszahlen zu erfahren wären.

    hardy prothmann, Freitag, 8. Mai 2009, 00:38
    Danke für die Korrektur

    karlo1 hat auf einen Fehler aufmerksam gemacht, der korrigiert wurde.

    Der Heddesheimer Gemeinderat hat am 18.02.2009 in öffentlicher Sitzung die Einleitung des Bebauungsplanverfahrens beschlossen.

    Das Heddesheim-Blog

    hardy prothmann, Freitag, 8. Mai 2009, 00:58
    Berichterstattung

    cest ca.

    Das ist so. Der Bürgermeister kann bestimmen, was im Amtsblatt veröffentlicht wird. Hier kann er persönlich “wuchten”.
    Was die Berichterstattung des Mannheimer Morgen angeht… legt eine Zeitung natürlich auch das Ohr auf den Boden, um mitzukriegen, ob jemand kommt. Manche machen das früher, andere später.
    Falls Sie Abonnent der Zeitung sind, haben Sie einen Zugangscode zum Online-Archiv, wo Sie alle Artikel finden, falls nicht, kaufen Sie einmalig den Mannheimer Morgen, dann finden Sie im Rhein-Neckar-Teil einen Schlüsselcode fürs morgenweb, mit dem Sie zwei Tage Zugriff haben.
    Wenn Sie sich die Mühe machen wollen, lesen Sie alle Artikel zum Thema und gewichten für sich die Berichterstattung.
    Dabei wird Ihnen auffallen, wie pro die Berichterstattung zunächst war. Weiter wird Ihnen auffallen, wie oft Herr Kessler und das Unternehmen Pfenning erwähnt werden, welche (pro-)Argumente gebracht werden und wie die Kritiker erwähnt werden.
    Weiter wird Ihnen auffallen, wie wenig Energie der Mannheimer Morgen bislang darauf verwendet hat, selbst Fragen zu stellen, den Dingen nachzugehen, mithin, zu recherchieren.
    Wenn Sie weiterlesen, wird Ihnen auffallen, dass es in der Berichterstattung dann durchaus eine Wende gab, beispielsweise mit dem Interview mit Herrn Fleckenstein.
    Was erwarten Sie? In Heddesheim kocht es. Wenn der Mannheimer Morgen das ignorieren würde, wäre er ein Amtsblatt. Noch ist er das nicht.
    (An dieser Stelle einen Gruß an alle geschätzten Kollegen dort!)
    Ob der Sinneswandel mit der Berichterstattung des Heddesheim-Blog zu tun hat und/oder mit dem journalistischen Gewissen beim Mannheimer Morgen, will ich nicht beurteilen. Ich weiß nur, dass es jede Menge Menschen gibt, die das Heddesheim-Blog annehmen und hier nachschauen, was es außer den Informationen beim Mannheimer Morgen noch so gibt.
    Guter Journalismus hört beide Seiten, beim Mannheimer Morgen scheint sich jemand daran erinnert zu haben.
    Sie können versichert sein, dass Sie auch hier entsprechend informiert werden.

    Das Heddesheim-Blog

    P.S. Zum Thema Pfenning gibt es keine einzige Geschichte beim MM, die nicht entweder Hofberichterstattung oder Terminjournalismus ist. Wenn Sie eine Story finden, bei der ein Journalist zum Thema einer eigenen These nachgegangen ist, bekommen Sie von mir eine Flasche Sekt. Versprochen. Viel Spaß bei der Suche!

    Im Heddesheim-Blog finden Sie solche Stories beispielsweise hier:

    Faktencheck

    kher, Samstag, 9. Mai 2009, 00:41
    Ja, was denn nun?

    sie schrieben:

    Der Heddesheimer Gemeinderat hat am 18.02.2009 in öffentlicher Sitzung die Einleitung des Bebauungsplanverfahrens beschlossen.

    Die Firma Pfenning gibt dies allerdings schon am 4.2. bekannt, nachzulesen auf deren Homepage, bzw in der Pressemitteilung.

    Ein Schelm wer Böses dabei denkt ;)

    Einige Passagen sind mir da besonders ins Auge gestochen:

    - Das Konzept sieht vor, dass Kunden der Pfenning-
    Gruppe aus verschiedenen Branchen diese Infrastruktur im Rahmen ihrer Lagerhaltung und
    Warenbewirtschaftung nutzen können.

    Ich bin gespannt wie diesen Kunden die Ortsdurchfahrt Heddesheim verboten werden soll.

    -Ausschlaggebend für unsere Entscheidung zugunsten des Standorts Heddesheim war neben der
    Größe und den langfristigen Erweiterungsmöglichkeiten der Fläche…..

    Noch größer?? Noch mehr Verkehr? Na, ok, sicher auch mehr Arbeitsplätze für die Heddesheimer!

    grübelnde Grüße…

    hardy prothmann, Samstag, 9. Mai 2009, 16:18
    Gut aufgepaßt

    Willkommen und Danke für ihren Kommentar, kher

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