Die SPD hat am 13. Mai 2009 in den Räumlichkeiten “Zum Pflug” ihre Kandidaten vorgestellt. Landtagsabgeordneter Hans Georg Junginger moderierte den Abend, der anders verlief, als die SPD sich das vorgestellt hat. 22 Kandidaten sollten präsentiert werden, aber einer überragte alle: Michael Bowien.
22 Kandidaten in all ihren Facetten in ein bis eineinhalb Stunden zu präsentieren ist eine Kunst. Eine, die Hans Georg Junginger versuchte zu beherrschen.
Nette Worte sind gefragt. Unverbindliches soll verbindlich werden, ebenso wie herausragende, vor allem langjährige Qualifikationen wie Vereinsmitgliedschaften. Temperamente werden geschildert, Persönliches wird Preis gegeben, Vereinendes rührt das Gefühl.

Michael Bowien (Mitte) ragt heraus. Er vermittelt Haltung. Bild: pro
Alles muss irgendwie so zusammen kommen, dass klar wird: Wir sind ein Team mit Stärken und Schwächen. Der Eine stützt die Andere. Wir sind alle Menschen. Und darum geht es doch. Kein Oder, sondern das Beste für alle.
Dazu sagen die Kandidaten all das, was Ihnen dazu einfällt. Es geht um Einsatz, Herzblut, Verantwortung, Ideen, Überzeugungen.
Der Wahlkampf ist voll im Gang. Es geht, so Junginger, “um echte Persönlichkeiten”, “um Sachkompetenz, Teamfähigkeit, Fleiß und Zuverlässigkeit”. Es geht “um die Demokratie”.

45 Personen, davon 16 IG-Mitglieder, 5 Bürger, der Rest SPD. Bild: pro
Weniger hatte auch niemand “Im Pflug” erwartet. Rund 45 Personen sind anwesend. Davon mindestens 16 der Interessengemeinschaft neinzupfenning, mindestens fünf parteilose Bürger, die sich informieren wollen und der Rest vermutlich bis sicher SPD-Mitglieder.
“Sie kennen die SPDler schlecht”, sagt später ein alter SPDler, der selbst weiß, dass die Zahl der Besucher für eine “Demokratie” erbärmlich ist. “Die wissen, für was wir einstehen und kommen dann, wenn es drauf ankommt”, sagt er. Er meint zur Wahl, wenn die Stimmabgabe, das Kreuz, gefragt ist.
Anders kann das auch nicht sein. Bei so wenigen Bürgern, die von sich aus hören wollen, was die Kommunalpolitiker denn so vorhaben.
Nach der Vorstellung ist vor der Vorstellung
Der Kandidat des Abends ist einer, der nicht so will, wie die anderen. Moderator Junginger setzt an: “…seit 92 in der SPD, seit 2000 in Heddesheim, Prokurist einer Software-Firma…” Dann übernimmt Michael Bowien: “Darf ich da einhaken, dann wird das lebendiger.” Junginger lächelt den Boden an.
Der Kandidat Bowien, Listenplatz 19, übernimmt. Er erzählt, dass ihn die Arbeit im Tennisverein viel Freizeit kostet. Dass er das gerne macht, dass er für Sport- und Wohnwert der Gemeinde eintreten wolle. Und dann sagt er, dass er gegen “einen exzessiven Wettbewerb ist”, dass er diesen nicht zu seiner Ideologie machen werde und dass ihm Solidarität wichtig ist.
Michael Bowien bekommt Applaus. Den einzig herzlichen des Abends. Nicht nur von den IG-Leuten, sondern von noch einigen mehr im Raum, nur wenige widerstehen mitzuklatschen, denn es ist klar, was gemeint ist: Das exzessive Bauvorhaben Pfenning, der Verkehr, das Unumkehrbare.
Großgewachsen überragt er alle, muss sich nicht am Stehtisch festhalten oder dahinter verstecken wie die meisten anderen, sucht den Blick in den Raum und ist der einzige Kandidat, der wirklich präsent ist.
Dabei hat er nur gesagt, was er denkt und wie es ihm geht. Arbeit, Familie, Tennisverein – viele Termine eben. Eigentlich ist der Mann gut beschäftigt und braucht kein weiteres Ehrenamt.
Das klingt so, als sei er angetreten und habe nicht wirklich mit der Möglichkeit einer Wahl gerechnet, dass er aber bei der Wirklichkeit einer Wahl wisse, wofür er einstehe. Obwohl er sich bedeckt hält, ist er der einzige, der überzeugt. Ohne Herzblut-, Familien- und Traditionsgeschichten und netten Anekdoten wie bei den anderen.
Der Kandidat nach ihm sagt nur ungefähr soviel wie: “Ich mach kein Wischi-waschi”, und damit soviel, wie alle anderen bis auf diesen Michael Bowien vorher.
Maulkörbe
“Das ist ein Hammer. Woher beziehen Sie das Wissen, dass es hier Maulkörbe gibt? Wir leben hier gelebte Demokratie. Heute Abend steht aber im Vordergrund, die Kandidaten vorzustellen.”

SPD-Kandidaten. Verschränkte Arme. Die Mauer steht. Bild: pro
Jürgen Merx, der SPD-Parteichef in Heddesheim, ist erbost und weiß nicht, ob er böse gucken oder weiterlächeln soll. Er changiert deswegen wie ein Mime.
Kurt Fleckenstein hatte gefragt, ob den Kandidaten ein Maulkorb verpasst worden sei, weil bei der Vorstellung über Verkehr, Wirtschaft, Ansiedlung, Entwicklung gesprochen worden sei, aber nicht einmal das Wort Pfenning fiel.
Plötzlich eskaliert der Abend und alle reden und schreien durcheinander. Irgendwann schaltet sich der Moderator, Landtagsabgeordneter Junginger wieder ein und sagt: “Natürlich kenne ich das Thema, ich kenne alle Themen in meinem Wahlkreis.” Aber keiner hört ihm zu.
Dann sagt Jürgen Merx das, was er sagen will: “Heddesheim besteht nicht nur aus Pfenning, sondern es geht darum, wie wir in fünf oder mehr Jahren leben.”
Wieder tumulthafte Zwischenrufe, Bestätigungen einiger SPD-Kandidaten, der Saal ist angespannt. Vorne stehen die Kandidaten, gegenüber sitzt der Saal. Dazwischen ist Spannung.
Schmutzige Wäsche
Jetzt werden Vorwürfe laut. Eva Marie Lang, Abiturientin, Kandidatin und Tochter des Gemeinderats Reiner Lang sagt, IG-Mitglied Rolf Breitwieser hätte mit ihr telefoniert und ihr gesagt, dass sie nie einen Ausbildungsplatz in Heddesheim bekommen würde.
Zwischenrufe aus beiden Lagern.
Jürgen Merx wirft der IG vor, die Kandidaten mit Briefen “unter Druck gesetzt” zu haben. Und fügt hinzu: “Die Fraktion steht hinter diesem Projekt.”
Die Beschuldigten weisen die Vorwürfe von sich. Allgemeine Verwirrung. Dann sagt Gemeinderat Reiner Lang, zu dem Brief, der angeblich Druck ausgeübt hat: “In der Analyse ist ihr Brief richtig, in der Schlussfolgerung falsch.”
Ende der Vorstellung
Landtagsabgeordneter Junginger ist vollständig entnervt, leicht panisch und beendet die Kandidaten-Vorstellung. Er hat es eilig und muss gleich weg.
Michael Bowien ist danach im Gespräch mit Bürgern, nicht sehr vielen, aber es sind ja auch nicht viele da. Und eine Kandidatin hält bei ihm aus. Jürgen Merx spricht mit seinem Sohn Jan-Philipp Merx, der auch Kandidat ist und lächelt immerzu. Über was, weiß nur er selbst.

SPD-Kandidatenvorstellung. SPD-Chef Merx (links) mit Sohn. Im Plan stand der Verlauf des Abends anders. Bild: pro
An der Theke und draußen stehen Grüppchen aus Kandidaten und amtierenden Gemeinderäten zusammen. Es wird noch was getrunken. Keiner lacht. Alles ist irgendwie ernst.
Irgendwann geht Michael Bowien nach Hause.
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Alle SPD-Kandidaten finden Sie hier: SPD
















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