Mittwoch, 23. April 2014

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Video: Merino-Schafe zu Gast in Heddesheim

Guten Tag!

Heddesheim, 11. April 2010. In Heddesheim sind fĂŒr einige Wochen Schafe zu Gast – fĂŒnf Jungschafe beweiden die Streuobstwiese am Vogelpark. Hier haben sie Ruhe und können sich stĂ€rken – das mĂŒssen sie auch, denn noch vor kurzem wurden sie so schlecht gehalten, dass das VeterinĂ€ramt den alten Betrieb “zumachte.

Von Hardy Prothmann

Ungewohnter Betrieb auf der Streuobstwiese. Am Samstagmorgen fahren Michael Finkbeiner sowie Annette und Michael Pfeiffer einen HÀnger ins GelÀnde.

FĂŒnf Merino-Schafe sind darin, alle etwa ein halbes Jahr alt. Die Schafe werden einzeln vom HĂ€nger geholt, dann werden die Hufe der Tiere zurecht geschnitten.

Das ist nötig, denn die jungen Schafe sind zwar erst einige Monate auf der Welt, haben aber schon ein schlechtes Leben hinter sich. Nicht artgerecht wurden sie gehalten. Eng zusammengepfercht. Die Pfoten standen im eigenen Kot. Kein Auslauf war ihnen möglich.

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Michael Finkbeiner und Annette Pfeifer bereiten ein Merino-Schaf fĂŒr die Weide vor. Bild: heddeseheimblog

Das VeterinĂ€ramt Weinheim hat einen Schafzuchtbetrieb geschlossen und die rund 60 Schafe neuen Besitzern zugefĂŒhrt. Michael Finkbeiner, Silvia Singer, Annette und Michael Pfeifer sind HobbyschĂ€fer und haben fĂŒnf Merino-Schafe ĂŒbernommen.

Eigentlich sind Merino-Schafe fĂŒr ihre sehr gute QualitĂ€t der Wolle bekannt – die Wolle der jungen Schafe ist verfilzt und dreckig: “So sehen die normalerweise nicht aus”, sagt Annette Pfeifer nĂŒchtern. Man merkt, dass die Verwaltungsangestellte sauer ist.

Und sie ist fest entschlossen, dass zu Ă€ndern. Resolut schneidet sie den Schafen die Hufe und freut sich, dass diese hĂ€rter geworden sind – das Stehen im Kot hatte sie mĂŒrbe gemacht. Die Schafe waren in einem schlechten Zustand, als die HobbyschĂ€fer vom “Fuchshof Rippenweier” die Tiere “ĂŒbernommen” haben.

Fuchshof heißt das private Projekt, weil die vier Hunde- und Schafliebhaber eigentlich “Coburger FĂŒchse” zĂŒchten wollen – jetzt aber auch Merino-Schafe haben. Die “FĂŒchse” gelten als gefĂ€hrdete Haustierrasse.

Sie schneiden das Filz am RĂŒcken weg, um danach ein Mittel direkt auf die Haut aufzubringen, das Parasiten, beispielsweise WĂŒrmer abtötet. Die Arbeit am Schaf ist anstrengend, die HobbyschĂ€fer sind engagiert und beherzt dabei.

Zwei bis drei Wochen werden die Schafe die eine HÀlfte der Streuobstwiese beweiden, danach noch einmal so lange den anderen Teil. Danach geht es zur nÀchsten Weidestelle.

TĂ€glich werden die SchafzĂŒchter, die im Hauptberuf Verwaltungsangestellte, Controller, LandschaftsgĂ€rtner und Sozialarbeiterin sind, die Schafe mit Wasser versorgen und schauen, “ob alles in Ordnung ist”.

Damit die Schafe nicht ausbĂŒchsen, haben sie die Wiese eingezĂ€unt. Auf dem Zaun liegt Strom: “Eine Lektion reicht, dann wissen die Schafe, dass sie sich davon verhalten sollten. Der untere Teil des Zaunes ist ohne Strom, damit Hasen, RebhĂŒhner, Fasane und andere bodennahe Tiere unbehelligt hindurch schlĂŒpfen können.

Hundebesitzer, die am Rand der Streuobstwiese spazieren gehen, sollten also ihre Hunde angeleint lassen, damit sich diese keinen “Schlag abholen” – abgesehen davon sollten Hunde entweder gut geschult sein oder an der Leine gefĂŒhrt werden.

FĂŒr die HobbyschĂ€fer und den Vogelverein ist es eine “Win-Win-Situation”: Die tierischen “RasenmĂ€her” erledigen ruhig und zuverlĂ€ssig das MĂ€hen der Wiese – die Schafe können hier gutes Futter finden und sich nach ihrem Martyrium stĂ€rken.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

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Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (47) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.

  • http://fuchshof-rippenweier.npage.de Wir vom Fuchshof

    Hallo Herr Prothmann,
    das haben Sie wirklich sehr nett geschrieben incl. des Clips. Herzlichen Dank. Wir hören und sehen uns sicher. Viele GrĂŒĂŸe

  • Karl Ludwig

    Hallo Herr Prothmann,
    wo sind denn die SchÀflein hin?
    Wollte am Wochenende meiner kleinen Nichte und ihren Eltern die schöne Wiese mit den Schafen zeigen, nun ist das Gras hochgewachsen und die SchÀflein sind weg!
    Haben wir dies unserem BĂŒrgermeister zu verdanken!?
    GrĂŒĂŸe
    Karl Ludwig

    • dasheddesheimblog

      Guten Tag!

      Wir haben nachgefragt. Der SchĂ€fer ist mit seinen Schafen wieder vom GrundstĂŒck – auf Grund eines “organisatorischen Problem”.

      FĂŒr den Zusammentrieb benötigt der SchĂ€fer seine Hunde – die aber sind im Vogelschutzgebiet nicht gerne gesehen, sogar tabu aus Sicht des Vogelvereins.

      Ohne Hunde keine Schafe ist das Ergebnis. Aus Sicht des Vogelvereins schade, die Lösung des “MĂ€hens” schien zunĂ€chst klasse zu sein, hat sich aber trotzdem als problematisch erwiesen.

      Ob die Schafe nochmals eingesetzt werden können, ist deshalb eher unwahrscheinlich.

      Einen schönen Tag wĂŒnscht
      Das heddesheimblog