Mittwoch, 22. Mai 2013

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Konzentration auf das Spiel II

Acht Bahnen haben die drei jugendlichen Spieler am zweiten Tag des “7. Harder German Juniors Masters” hinter sich, zehn Bahnen liegen noch vor ihnen. Sie spielen zusammen – aber doch jeder nur gegen sich selbst.

Lesen Sie hier Teil 1: Konzentration auf das Spiel

Auf dem Weg zu Tee 9 plaudern Felix und Jonas ein wenig, welche Turniere sie zuletzt gespielt haben. Jonas sagt: “Ich war in Paris, hat Spaß gemacht, bin zehnter geworden.” Felix sagt: “Gegen die Franzosen? Ach das geht ja.” Er hat einen Witz gemacht, seine Augen grinsen.

Es wird nicht viel gesprochen.

Bei Bahn 9 angekommen hat der Wind zugenommen und es gibt immer wieder Böen. Außerdem liegt das “GrĂŒn” auf einer Insel, die von einem Sandgraben, einem “Bunker” umgeben ist. Das ist besonders kniffelig. Denn Bahn 9 ist eine Par 3, der erste Schlag soll den Ball auf das GrĂŒn, also die Insel, bringen, zwei Putts ins Loch wĂ€ren wie immer Standard. Ich will wissen, mit welcher Strategie sie spielen wollen.

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Zu kurz "gedrivt". Die BĂ€lle von Jonas und Fabian (rechts) haben sich in den "Bunker"-Sand gebohrt.

“Wie die EnglĂ€nder”, sagt Jonas. Ich gucke fragend. “Flach durch den Wind”, sagt Felix und Fabian nickt. GesprĂ€chig geht anders, aber die Jungs sind ja auch zum Golfen hier und nicht zum Quatschen. “Die EnglĂ€nder können das”, sagt Jonas. Es klingt Bewunderung mit. Die beiden anderen nicken. Die EnglĂ€nder gelten was, schließlich kommt der Sport von dort.

Diesmal wĂ€hlen sie kein Holz zum Abschlag, sondern ein Eisen, mit einem gewissen “Loft”. Das beschreibt den Winkel der KopfflĂ€che. Je stĂ€rker abgewinkelt der Kopf, umso höher kann der Ball geschlagen werden und umgekehrt. Alle wĂ€hlen ein flaches Loft, um den “Drive” ĂŒber 138 Meter bis zum Loch zu schlagen.

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So nicht. Zwei Mal versucht Jonas den Ball direkt frei zu spielen und bleibt an der Kante hÀngen. Das ist Àrgerlich.

Felix erreicht als einziger das GrĂŒn. Jonas und Fabians BĂ€lle schlagen vor der Insel im Sand ein. Jonas Ball ist zwei Meter zu kurz und liegt besonders ungĂŒnstig unterhalb einer Kante. Er versucht den Ball rauszuhebeln. Der Ball trifft die Kante und fĂ€llt zurĂŒck. Das Loch in dem er liegt, ist jetzt noch tiefer durch den Schlag in den Sand. Wieder versucht es Jonas.

Die Kunst ist, sich nicht zu Àrgern.

Wieder fĂ€llt der Ball zurĂŒck. Jonas guckt, analysiert, ĂŒberlegt, ob er noch mal … dann spielt er den Ball weg von der Kante in den Bunker und von hier aus aufs GrĂŒn. Sechs SchlĂ€ge braucht er an diesem Par 3-Loch. Das ist ein Double Bogey. Jonas Ă€rgert sich, aber das ist kaum zu sehen. Golf ist ein Selbstbeherrschungsspiel.

Auf Bahn zehn spielt Fabian den Abschlag in ein “Mauseloch”. Also abseits der Bahn. Er findet den Ball, aber der ist nicht spielbar – liegt zu tief im ungeschnittenen Gras. Er darf “droppen”, nimmt also den Ball und lĂ€sst ihn vom ausgestreckten Arm parallel zur Fundstelle auf das Fairway fallen. Das kostet ihn einen Strafschlag.

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Fabians Ball ist in einem Mauseloch gelandet. Er darf den Ball droppen, also aufnehmen und daneben fallen lassen. Dann muss er aber aus dem Gras heraus weiterspielen.


“Es gibt fĂŒr alle Situationen Regeln”, erklĂ€rt Jonas. “Und das sind ziemlich viele”, sagt Felix. “Wenn wir mal nicht genau wissen, was zu tun ist, holen wir den Referee”, sagt Fabian. Zwei davon, also Schiedsrichter, fahren in Elektro-Cars ĂŒber den Platz. Sie kommen vom Deutschen Golf Verband und achten darauf, dass das Turnier nach dessen Regeln gespielt wird – unter BerĂŒcksichtigung der platzeigenen Regeln.

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Ist der SchlÀger nur umgefallen oder geworfen worden? Im zweiten Fall gibt es eine Verwarnung vom Referee - sofern er das beobachtet.

Auch das ist Teil der “Etikette”. Fluchen, RumbrĂŒllen oder SchlĂ€gerwerfen aus Ärger ĂŒber einen Schlag ist nicht erlaubt: “Ich habe eben gerade einen norwegischen Spieler verwarnt, weil der seinen SchlĂ€ger geschmissen hat”, sagt Referee Theo Scheld. Wenn ich das noch mal sehe, ist er disqualifiziert.”

Auf der Bahn 11 gibt es einen “Stau”. Die drei mĂŒssen warten, denn der Flight vor ihnen ist noch nicht fertig. Zeit zum Entspannen. Jonas macht ein paar DehnĂŒbungen. Sie reden ĂŒber Turniere.

Jeder Schlag bedeutet genau eine Chance.

Am 14. Loch gelingt Fabian ein guter Abschlag. Danach versucht er den Ball zu shippen, also mit einem Flugbogen auf das “GrĂŒn” zu bringen. Das liegt etwas erhöht. Der Schlag gelingt. Doch mittlerweile fordert die hohe Konzentration des Spiels seinen Tribut. Er hat die Chance einzulochen – einen Schlag “unter” zu bleiben – und spielt am Loch vorbei. Man merkt ihm deutlich seinen Ärger an.

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Fabian Ă€rgert sich ĂŒber sich selbst. Er hat um Millimeter am Loch vorbeigespielt.

Mittlerweile spielen die drei schon gut dreieinhalb Stunden. Die Sonne knallt vom Himmel, der mĂ€ĂŸige Wind bringt nur leichte KĂŒhlung. An Loch 9 ist Fabian von einer Biene in die Schulter gestochen worden. Es juckt ziemlich. Bei mir entwickelt sich ein solider Sonnenbrand. Ich habe vergessen, mich einzukremen.

Am 17. Loch versenkt Felix seinen Ball fast ins Wasser. Er findet ihn, muss ihn aber droppen. Sein Tag war das heute nicht, er hat sich viel ĂŒber sich selbst geĂ€rgert. Mittlerweile macht er auch keine Scherze mehr, sondern wirkt etwas geschafft. Immerhin trĂ€gt er ja auch seine Tasche seit Stunden durch die Gegend. Insgesamt hat die 18-Loch-Bahn in Heddesheim rund sieben Kilometer, mit hin- und herlaufen werden da schnell gut zehn draus.

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Ein Golfspiel geht ĂŒber Distanzen von 7-10 Kilometern.

Das 18. Loch lĂ€uft fĂŒr alle gut, Fabian spielt Par, die beiden anderen einen Birdie, also eins unter Par. Als die drei Jungs ihren letzten Ball fĂŒr heute eingelocht haben, lachen sie erleichtert. Die Spannung der Konzentration fĂ€llt von ihnen ab, sie geben sich die HĂ€nde.

Viereinhalb Stunden in der prallen Sonnen schlauchen – viereinhalb Stunden Regen sicherlich auch. Golfer spielen unabhĂ€ngig vom Wetter.

Heute sind es nur ein paar Zuschauer, die fĂŒr die jungen Spieler klatschen. Morgen zum Finale werden es mehr sein.

Die drei gehen vom Platz, denn schließlich kommen hinter ihnen noch weitere Flights, die sich noch auf die letzte Bahn konzentrieren mĂŒssen.

Rund viereinhalb Stunden haben die jungen MĂ€nner zusammen gespielt und dabei doch jeder nur gegen sich selbst.

  • Fabian Felix Fiethen vom GC Heddesheim erreicht bei diesem Turnier Platz 49.
  • Felix Watz vom GC Feldafing erreicht Platz 32.
  • Jonas Robert Kugel vom GC Solitude Stuttgart erreicht Platz 14.
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