Guten Tag!
Heddesheim, 09. August 2009. Von Mittwoch bis Freitag spielten 107 Juniorinnen und Junioren in Heddesheim um den Sieg oder zumindest einen guten Platz beim “7. Harder German Juniors Masters“.
Hardy Prothmann hat am zweiten Turniertag einen “Flight”, so nennt man eine Gruppe von Spielern, begleitet, um herauszufinden, was die jungen Menschen am Golfsport fasziniert. Der Journalist weiĂ ungefĂ€hr so viel ĂŒber Golf, wie jeder andere Nicht-Golfer ĂŒber den Sport – fast nichts.
Ein Sportjournalist, der sich mit Golf auskennt, wĂŒrde kenntnisreich fĂŒr Leser schreiben, die sich mit Golf auskennen. Die Idee fĂŒr diesen Text ist anders. Ein Nicht-Golfer schreibt fĂŒr Nicht-Golfer ĂŒber seine “erste” Begegnung mit dem Golfsport aus der Sicht des “Unwissenden” mit dem Wunsch, hinterher etwas schlauer zu sein.
Text und Bilder Hardy Prothmann
Als ich um 10:25 Uhr am ersten Abschlag eintreffe, wartenĂÂ Fabian (17), Felix (18) und Jonas (16) schon auf ihren Start.
Das Outfit ist Ă€hnlich: T-Shirt mit Kragen, knielange Hosen, Golfschuhe mit “Softspikes”, Baseball-Kappe. Die Kleider-Konvention ist wichtig beim Golf: Jeans und Turnschuhe gehen gar nicht.
10:30 Uhr. PĂŒnktlich werden die drei zum Spiel aufgefordert. Alle drei nehmen ihre Golftaschen und kommen zum Abschlagpunkt. Fabian und Jonas haben ihre Taschen auf Trolleys (WĂ€gelchen), Felix schultert seine Tasche.
Der stĂ€rkste Spieler schlĂ€gt zuerst den “Drive”, einen möglichst langen Ball. Das ist Jonas, der in der gesamtdeutschen Rangliste auf Platz 11 steht. Jonas geht auf den Abschlag, “teet” auf, das heiĂt, er legt den Ball auf das Tee. Das ist ein Holzstift mit einer AufnahmeflĂ€che fĂŒr den Golfball.
Dann zupft er etwas Gras aus dem Rasen, wirft es hoch und guckt, wie der Wind es verweht. Der Wind kommt von vorne und leicht von links. Er visiert die Fahne an.ĂÂ Die steckt im Loch und da soll der Golfball rein. Die Fahne ist 400 Meter weit weg.
Dann schlĂ€gt er, gleich mehrmals.Ă ProbeschlĂ€ge.Ă Die Beine stehen etwa schulterbreit, Jonas holt aus, zieht durch, der SchlĂ€ger zischt, Jonas Körper verdreht sich. Jonas guckt dem imaginĂ€ren Ball nach.
Er hat ein “Holz” in der Hand. Das ist ein SchlĂ€ger mit demĂ gröĂten SchlĂ€gerkopf. Damit “treibt” man die BĂ€lle ĂŒber Entfernungen jenseits von 140 Metern. Das “Holz” ist allerdings schon lange durch hochwertige Materialien wie Titanium ersetzt worden.
Jonas geht in Stellung. Schulterbreit steht er da, den Ball befindet sich etwa in der Mitte seiner FĂŒĂe, er guckt nach dem Punkt, wo er den Ball hinschlagen will, tritt links, rechts mehrmals auf, geht ein wenig in die Knie, streckt ein wenig den Hintern raus, streckt den Oberkörper, guckt auf den Ball, visiert das Ziel, nochmal und nochmal und dann hebt er das “Holz” und zieht durch. Das Holz zischt, trifft mit einem satten Ton den Ball, schwingt durch, Jonas Körper streckt sich auf, verdreht sich, das Holz geht mit, landet hinter dem RĂŒcken und Jonas guckt. Voll konzentriert, sekundenlang. Er verfolgt den Flug des Balls. Auch die anderen gucken.
Ich gucke auch, sehe den Ball aber nur bis zur HĂ€lfte seines Flugs, die anderen aber gucken noch eine Sekunde. Jonas nickt in Richtung Ball.
Golf spielen heiĂt, sich konzentrieren zu mĂŒssen.
“Guter Schlag”, sagt Fabian. Er ist noch nicht dran, erst kommt Felix. Die gleiche Prozedur von vorne. Visieren, ProbeschlĂ€ge, Stellung, Schlag. Dann schlĂ€gt Fabian und schaut seinem Schlag nach. Als der Ball gelandet ist, schnappen sich die drei ihre Taschen und laufen mit sattem Tempo ĂŒber das Fairway zu ihren BĂ€llen.
“Wie oft trainierst Du?”, frage ich Fabian auf dem Weg. “Sechs bis sieben Mal in der Woche”, sagt er. “Und ist FuĂball statt Golf nicht eher was fĂŒr einen 17jĂ€hrigen?” “Habe ich frĂŒher gespielt, jetzt konzentriere ich mich auf Golf.” Irgendwie klingt das sehr ernst fĂŒr einen jungen Mann, aber die anderen beiden wirken Ă€hnlich kontrolliert.
Jetzt Ă€ndert sich die Schlagfolge. Nicht der stĂ€rkste Spieler ist dran, sondern der, dessen Ball am weitesten entfernt vom Loch liegt. Jetzt wird als SchlĂ€ger ein “Eisen” gewĂ€hlt, davon hat jeder sechs oder sieben unterschiedliche dabei. Fabian spielt, dann Felix, dann Jonas. Wieder schnappen zwei ihre Trolleys und Felix schultert seine Tasche. “Ich trag den gerne.” Felix spielt auch noch Eishockey, vielleicht braucht er mehr Anstrengung als die anderen beiden.
Die erste Bahn ist eine Par 5. Das heiĂt, der “Standard” auf der Bahn sind fĂŒnf SchlĂ€ge bis der Ball im Loch sein soll. Typischerweise werden immer zwei Putts gerechnet, als zwei SchlĂ€ge auf dem GrĂŒn. Das GrĂŒn ist ein meist runder Bereich um das Loch herum, wo der Rasen auf 0,6 Millimeter geschnitten und sehr dicht ist. AuĂerdem ist das GrĂŒn meist sehr wellig, so dass die Spieler nicht einfach gerade auf das Loch spielen können, sondern die Wellen mit einberechnen mĂŒssen und am Ende ein kurviger Ballverlauf zum Erfolg fĂŒhrt.
Es geht darum, besser als der Standard zu sein.
Der Putt ist ein Schlag, bei dem der Ball rollt. Je nach Par, 3, 4 und 5, benötigt ein Spieler also einen, zwei oder drei SchlĂ€ge bis zum GrĂŒn. Meist gibt es 10 Par 4-Bahnen und je vier Par 3 und Par 5-Bahnen. In der Summe sind das 72 SchlĂ€ge, wenn man den “Standard” spielt. Spielt man schlechter als der Standard hat mein ein schlechtes Handicap (Hcp), spielt man besser, ein positives. 45 der 107 Turnierteilnehmer haben ein +Hcp.
Fabian spielt den Ball mit vier SchlĂ€gen ins Loch. Einen Schlag “unter” nennen die Golfer einen Birdie. Felix benötigt fĂŒnf SchlĂ€ge und spielt damit ein Par – also den Standard. Jonas bringt den Ball mit dem zweiten Schlag auf das GrĂŒn und kann hier mit einem Schlag putten. Das sind zwei SchlĂ€ge besser. Ein Eagle.
Auf der Bahn drei lĂ€uft es fĂŒr Felix besonders schlecht. Sein Abschlag landet im “Rough”, also ausserhalb des Fairways, der Spielbahn. Und als wĂ€re das nicht unangenehm genug, spielt er den Ball auch noch unter eine Trauerweide. Statt einem Par 4 braucht er sechs SchlĂ€ge und spielt damit einen Double Bogey. Man sieht ihm seinen Ăârger ĂŒber sich selbst an.
Die jungen Leute lernen nicht nur, wie man Golf spielt,
sondern, wie man sich selbst kontrolliert.
Jonas braucht drei, Fabian fĂŒnf SchlĂ€ge. Einzelne “gewonnene” oder “verlorene” Bahnen gibt im Golf als ZĂ€hlvariante auch, aber nicht bei diesem Turnier. Entscheidend ist die Gesamtzahl der SchlĂ€ge. Und dafĂŒr ist entscheidend, wie gut man schon spielen kann und wie gut man sich darauf konzentriert. Jeder Konzentrationsfehler kostet mindestens einen Punkt.

Jonas schaut sich den Weg fĂŒr den Putt an. Welche Bodenwellen muss er mit einberechnen? Wie muss er den Ball schlagen?
Ich wundere mich, wie ruhig und konzentriert die drei ihrem Spiel nachgehen. Sie wandern ĂŒber den Platz, ziehen einen SchlĂ€ger, machen ProbeschlĂ€ge, visieren an und “ping”, spielen den Ball. Der SchlĂ€ger wird wieder weggepackt, der Handschuh wieder ausgezogen. Wieder laufen Sie ihren BĂ€llen hinterher. Analyse der Situation, Handschuh an, SchlĂ€gerwahl, Konzentration, Schlag, usw.
Das Spiel an sich ist nicht sehr aufregend -
trotzdem muss man nervenstark sein.
An Bahn sieben verliert Felix eine wenig die Kontrolle: “Was machst Du heute? GibtĂÂŽs doch gar nicht!”, schimpft er mit sich selbst. Er glaubt, dass er den Abschlag in einen Teich gespielt hat. Doch er hat “GlĂŒck” und der Ball liegt im Schilf vor dem Wasser. GlĂŒck bedeutet, er bekommt keinen Strafschlag, aber sein Gesicht sieht nicht sehr zufrieden aus. Er darf den Ball aufnehmen und zwei SchlĂ€gerlĂ€ngen vom Wasser weg fallen lassen.
Im zweiten Teil lesen Sie: Beim Golf spielt jeder gegen sich selbst.



















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