Donnerstag, 20. Juni 2013

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Schützen präsentieren sich

Kanone, Magnum und Schwedenkuss

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Guten Tag!

Heddesheim, 09. Juni 2010. Im Aktionfilm springen die Helden durch die Szenen und feuern, was das “Zeug” hält. Das hat wenig mit der Realität zu tun. Die Heddesheimer Sportschützen haben zum Tag der offenen Tür eingeladen und die Realität präsentiert – die ist trotzdem spannend.

Von Hardy Prothmann

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Selbstversuch mit einer “44-Magnum” – danach weiß man, warum es “Kanone” heißt. Bild: heddesheimblog

Der Rückschlag ist gewaltig: Die 44-er Magnum “Smith&Wesson” haut es beim Schuss nach oben. Obwohl ich sie mit Kraft festhalte.

Obwohl ich einen Gehörschutz trage, ist der Knall beim Schuss aus dieser schweren, kraftvollen Waffe laut und intensiv.

Nach dem Schuss drehe ich den Revolver in der Hand zur Seite, immer den Lauf nach vorne gerichtet, entriegele mit dem Daumen die Trommel und drücke mit der anderen Hand einen Stift, der wirft die Patrone aus. Dann lege ich die Waffe ab. Die Waffe liegt vor mir, die Trommel ist sichtbar leer, die Übung ist zu Ende.

Scharf geschossen

“Gut gemacht, Sie haben den Ablauf genau beachtet”, lobt mich Stefan Schuhmacher.

Der Jugendtrainer der Heddesheimer Schützengesellschaft hat mir zuvor genau erklärt, wie ich mit den Waffen umgehen muss. Erst bei einer “Trockenübung” ohne Munition, dann mit der “scharfen” Partronen.

Ruhig, bestimmt und klar. Immer mit Augenkontakt – immer aufmerksam, ob ich auch alles verstanden habe. Schon bei der ersten Waffe, einem schwedischen Militärgewehr von 1909 – in das Schuhmacher dann eine riesige Patrone einlegt.

Auf die genauen Anweisungen konzentriert, konnte ich keinen Fehler machen. Ein Satz war unmissverständlich: “Ich erkläre Ihnen den Ablauf und wir üben das. Sollten Sie etwas nicht genau beachten, unterbreche ich sofort.”

Schwedenkuss

Das Gewehr ist schwer und wuchtig. Beim Schuss gibt es einen ordentlichen Rückschlag auf die Schulter. Auch darauf war ich vorbereitet worden, trotzdem hat mich die Wucht überrascht: “Na, das war mal ein echter Schwedenkuss”, sage ich, weil mir das gerade so einfällt. Die anderen Schützen lachen.

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Gesicherte Sportpistolen. Bild: heddesheimblog

Bevor es zu den Pistolen geht, schieße ich noch mit einer Art “Winchester”, einem Repetiergewehr. Leichter, einfacher zu handhaben, aber auch das eine gefährliche Waffe außerhalb einer sportlichen Anwendung. Herr Schuhmacher, ein Bär von einem Mann, steht immer in meiner Nähe und ist immer sehr aufmerksam.

Das muss er sein. Er kennt mich nicht, weiß, dass ich das erste Mal mit solchen Waffen schieße und macht das heute schon seit Stunden – Bürger begleiten, die sich für den Schießsport interessieren und selbst mal ausprobieren wollen, wie das so ist, mit Gewehren und Handfeuerwaffen zu schießen.

Ganz ehrlich bin ich froh um die intensive Begleitung. Denn nicht nur der Anblick, sondern auch das Halten einer Waffe flößt mir Respekt ein. Schon beim “Trockentraining”. Wenn dann die Waffe geladen ist, bin ich gut darauf vorbereitet worden, dass es “ernst” wird.

Stopp

Dann mache ich einen Fehler – Herr Schuhmacher bleibt freundlich, konzentriert und bestimmt. Die Pistole ist geladen, ich will zum Schuss ansetzen. “Stop, bitte nehmen Sie die Waffe herunter, legen Sie sie ab und setzen Ihren Hörschutz auf”, sagt Herr Schuhmacher. Ich folge. “Nehmen Sie die Waffe wieder auf”, höre ich jetzt gedämmt. Dann schieße ich. Vier Mal. Ein Schuss geht an den Rand der Scheibe, zwei gehen in die Ringe fünf und sechs, ein Schuss trifft die Neun.

Insgesamt habe ich elf Schuss abgegeben und weiß nun: Schießen ist sehr anspruchs- und verantwortungsvoll. Atmung, Haltung, Konzentration – ohne eine richtige Technik, ohne eine gute Ausbildung gewinnt man hier keinen Blumentopf. Wie in jedem Sport.

Beim Ostereierschießen habe ich mich am Luftgewehr probiert – dafür gilt dasselbe.

Waffen üben auf viele Menschen eine gewisse Faszination aus. Irgendwie geht es dabei sicherlich auch um Macht. Ganz klar. Auch ich nehme mich da nicht aus, wenngleich mir Waffen immer suspekt waren.

Als Sport betrieben, geht es sicherlich darum, über sich selbst die Macht zu gewinnen. Sich derer bewusst zu sein, sie zu kontrollieren und sie sportlich um- und einzusetzen.

Herr Schuhmacher hat mir eine sehr gute Anleitung gegeben und ist wie der Rest der Schützen ein sehr freundlicher, umgänglicher Typ Mensch.

Drückendes Thema

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Jugend beim Luftdruckschießen. Bild: privat

Als ich die “Waffenamnestie” anspreche, werden alle sehr konzentriert und die Stimmung ist eindeutig: “Das ist absolut in unserem Sinne”, sagt Roland Embach, der Vereinsvorsitzende.

Besitzer von “illegalen Waffen” waren aufgefordert, diese straffrei abzugeben. Viele hundert Waffen konnten seitdem “aus dem Verkehr” gezogen werden.

Die Haltung der Sportschützen ist klar: Sie wollen ihren Sport verantwortlich und mit Freude betreiben – schlechte Nachrichten beim Einsatz von Waffen außerhalb des Sports sind auch schlecht für die Schützengesellschaften, noch schlechter, wenn “Schützen” darin verwickelt sind.

“Offensiver” Umgang

Deshalb macht ein Tag der offenen Tür wie am Sonntag sehr viel Sinn. Die Besucher können sich davon überzeugen, dass die Heddesheimer Schützen ein Verein sind, der seine Verantwortung ernst nimmt und sicher keine Trendsportart anbietet, aber eine, bei der man sehr viel mehr über sich selbst lernt, als bei manch einem anderem Sport.

Wer Lust und Zeit hatte, konnte sich historische Waffen anschauen, sich diese erklären lassen, selbst schießen oder Vorführungen beobachten.

Ein neues Mitglied hat der Tag gebracht, rund 30 Personen haben sich teils sehr interessiert. Mit der Resonanz ist der Verein zufrieden. Die Heddesheimer Schützen wissen, dass sie keine Massensportart anbieten, sondern einen ausgefallenen Sport. Wer sich dafür interessiert, ist bei den Sportschützen gut aufgehoben.

Und ich weiß eins, was ich schon vorher vermutet habe: Was man in Actionfilmen sieht, hat mit der Realität wenig zu tun.

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  • Rainer

    Mein Kompliment zu dem objektiven Bericht.

    Zu der von Ihnen angesprochenen Amnestie möchte ich noch folgendes sagen:
    Im Prinzip ist es durchaus richtig wenn man versucht illegale Waffen “aus dem Verkehr zu ziehen”.
    Wenn dabei allerdings ein Gewinn für die öffentliche Sicherheit erzielt werden soll, sollten das auch Waffen sein, von denen eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgeht.
    Von einem halb verrostetem Kleinkalibergewehr oder Wehrmachtkarabiner, der schon seit zig- Jahren auf dem Dachboden des Opas herumsteht geht keine Gefahr für die Öffentlichkeit aus.
    Solche Waffen wurden aber fast ausschließlich im Rahmen dieser Amnestie abgegeben.
    Die Gefahr für die Öffentlichkeit geht von den Waffen aus, die sich gut funktionierend und geladen in krimineller Hand befinden.
    Solche Leute kümmert unser Waffengesetz einen Dreck.
    Insofern war der Aufruf zur Abgabe illegaler Waffen unter der Amnestieregelung, obwohl von manchen Behörden über Gebühr gelobt, nach meiner Meinung nur ein Flopp.

    • dasheddesheimblog

      Guten Tag!

      Danke für Ihren Beitrag.

      Wir haben auch über Kritik an der Waffenamnestie berichtet. Den Bericht finden Sie hier.
      Darin finden Sie weitere Verweise auf Berichte über Waffen, Waffenbesitz und Waffenanwendung.

      Einen schönen Tag wünscht
      Das heddesheimblog

  • Schütze

    Schönen Abend allerseits.

    Vielen Dank für den kritischen und detailreichen Bericht – wird schon gut und gerne unter uns Sportschützen und Waffenfreunden gelesen!!!

    Anscheinend werden Sie ja kein Sportschütze und trotz aller Skepsis gegenüber Waffen haben sie das vorurteilsfrei berichtet. Offen und ehrlich und nicht so verklemmt, wie so oft.

    Der Amnestiekritik schließe ich mich an. Hier muss viel härter durchgegriffen werden.

    Übrigens: Schöne historische Waffen. Glückwunsch zur Sammlung!!!

    Für die nächsten Wochen stehe ich weiter aufs Schießen…. von TOOOOOREN.

    :-)

    http://forum.waffen-online.de/index.php?showtopic=400529