Mittwoch, 19. Juni 2013

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Mein Sozialpraktikum oder die perfekte Murmelbahn

Guten Tag!

Heddesheim, 07. Oktober 2010. In der zehnten Klasse sollen Schüler am Gymnasium sowohl ein Berufs- als auch ein Sozialpraktikum (BOGY und SOGY) absolvieren. Das Berufspraktikum stand schon im Frühjahr an, während das Sozialpraktikum unmittelbar vor den Sommerferien stattfand. Der Schüler Johannes Peter (16) hat für uns seine Erfahrung aufgeschrieben.

Von Johannes Peter

Jeder Schüler musste sich für das Praktikum dabei zuerst einen der Bereiche Behinderten-, Kinder- oder Seniorenbetreuung aussuchen. Demnach sollten wir uns auf die Suche nach einer geeigneten Stelle machen, an der wir unser einwöchiges Praktikum absolvieren sollten.

Da meine Großmutter ein aktives Mitglied der evangelischen Gemeinde Heddesheims ist und ich schon vorher, durch die Konfirmation mit der Kirchengemeinde zu tun hatte, fiel meine Wahl auf den evangelischen Kindergarten in der Werderstraße. Ein schriftliche Bewerbung musste ich nicht schreiben. Stattdessen besuchte ich die Leiterin, Frau Herma Krieg, dort persönlich und machte mit ihr alles, für mein Praktikum relevante, aus.

Einweisung in Pflichten

Außerdem erhielt ich eine erste Einweisung darin, was ich an Pflichten zu erwarten hatte, sowie in die allgemeinen Regeln des Kindergartens. So sollte ich z.B. keine Süßigkeiten mitbringen, oder besonders “aufreibende” Kleidung anziehen.

Der evangelische Gemeinde in Heddesheim unterhält zwei Kindergärten. Einmal den in der Werderstraße mit fünf Tagesgruppen und den viel kleineren in der Beindstraße mit zwei Gruppen gegenüber der Kirche.

Die fünf Gruppen von etwa 20 Kindern in der Werderstraße werden jeweils von zwei Erzieherinnen betreut und sind außer wenn “Rausgehzeit” ist voneinander getrennt. Sind die Gruppen draußen, kümmern sich alle Betreuer gemeinsam um alle Kinder.

Religion spielt kaum eine Rolle

Die Religion, ein wichtiger Aspekt einer kirchlichen Einrichtung spielt im Konzept der Kindergärten jedoch eine eher untergeordnete Rolle. So wird vor dem Essen gebetet oder gelegentlich aus der Bibel vorgelesen, doch im Vordergrund steht die Förderung der kreativen, logischen und sozialen Eigenschaften der Kinder, wie in den meisten Kindergärten.

Auch hier wird locker und spielerisch vorgegangen: Die Kinder spielen miteinander, toben sich draußen aus oder lassen sich von den Erzieherinnen Geschichten vorlesen. Bei vielen der Spielzeuge handelt es sich um Spenden von Eltern, Praktikanten oder der Gemeinde.

Im Laufe der Woche arbeitete ich viel mit den Kindern und den Erzieherinnen zusammen. Dabei hatte ich feste Aufgaben, die ich jeden Tag ableistete.

Da ich schon um 8:00 Uhr also einige Minuten vor dem Eintreffen der ersten Kinder erschien, hatte ich noch ein wenig Zeit um meine erste Aufgabe des Tages, das Zubereiten eines Obsttellers zu erledigen. Die Kinder bringen abwechselnd Obst oder Gemüse mit, welches ich morgens klein schnitt und im Gruppenraum auf einem Teller abstellte. Daran konnten sich die Kinder dann den Morgen über bedienen

Zwischen Aufräumen und Spielen.

Danach kamen dann auch die ersten Kinder, die sich aber in der Regel selbst oder miteinander beschäftigten. Allerdings beteiligte ich mich oft an ihren Spielen. So verbrachte ich einen Morgen damit, dass ich mit den Kindern Brettspiele spielte, “Lego” baute oder Papierflieger basteln half.

Später kam dann die obligatorische “Aufräumzeit”, anschließend ging es in den Garten. Dort kam dann der etwas ruhigere Teil des Tages. Während die Kinder damit beschäftigt waren herumzurennen, Fußball zu spielen oder Sandburgen zu bauen, beschränkte sich der Aufgabebereich der Erzieherinnen und Praktikanten darauf, auf die Kinder aufzupassen.

Da in dieser Zeit wenig zu tun war, nutze ich die überschüssige Zeit, um die Kindergartenküche aufzuräumen. Da musste die Spülmaschine aus- und eingeräumt, übrig gebliebenes Geschirr von Hand gespült und Abfall beseitigt werden.

Waren die Kinder, die den Nachmittag nicht im Kindergarten verbringen abgeholt worden, war ich dafür zuständig, dass der Gruppenraum sauber wurde. Ich stellte die Stühle hoch, beseitigte den Müll, fegte und räumte das dreckige Geschirr weg.

War alles erledigt, ging ich in eine der beiden Nachmittagsgruppen, wo ich die restlichen zwei Stunden des Tages verbrachte. Abgesehen davon, dass ich natürlich wieder mit den Kindern spielte, übernahm ich jetzt auch das Zurechtschneiden von Papier für Mal- und Bastelzwecke, sowie auch das Fegen und Stühle hochstellen. Danach wurden fast alle übrigen Kinder abgeholt, nur einige wenige blieben noch bis um halb vier in Betreuung. Mein Arbeitstag war beendet.

Nachdenkliche Erfahrung.

Die Reflexion ist bei einem Sozialpraktikumsbericht kaum anders als bei einem über das Berufspraktikum. Bei beiden lernt man etwas über sich selbst. Die Erfahrung aber ist ganz anders.

Beim Sozialpraktikum habe ich mir vorher schon einige Gedanken gemacht, was das Soziale darin für mich bedeutet. Reflektierend habe ich einiges gelernt. Es war definitiv ein Erlebnis für andere Menschen, die ich vorher überhaupt noch nicht kannte, Aufgaben zu übernehmen, ihnen zu helfen und mich dabei auch richtig anzustrengen.

Die Woche hat einiges an Spaß mitgebracht und, das ist glaube ich die Pointe des Praktikums, das mit Menschen, die gesellschaftlich und intellektuell (noch) nicht auf der eigenen Ebene spielen. Es hat mir gezeigt, dass auch kleine Kinder, Behinderte und alte Menschen vollwertige Menschen sind und dass der Umgang mit ihnen keinesfalls unangenehmer Natur sein muss, dass man auch von diesen Menschen etwas lernen kann.

So bin ich jetzt dank eines Fünfjährigen im Besitz des Wissens über die perfekte Murmelbahn. :-)

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