Montag, 01. September 2014

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Warnstreiks bringen Ärger für Bürgerinnen und Bürger

Rhein-Neckar, 05. März 2012. Müllmänner, Busfahrer, Krankenschwestern, Kinderbetreuer sind von der Gewerkschaft verdi zu Warnstreiks aufgerufen werden. Die Folge: Durch den Arbeitskampf leiden die Bürgerinnen und Bürger.

Von Hardy Prothmann

Der Ärger ist kalkuliert und soll Druck ausüben. Die Gewerkschaft rechnet mit mehreren tausend Streikenden. Zehntausende, hunderttausende Bürgerinnen und Bürger werden darunter leiden müssen.

Hintergrund ist die Forderung nach mehr Geld für die fast zwei Millionen Beschäftigten beim Bund und den Kommunen. Die Gewerkschaften fordern 6,5 Prozet mehr Lohn. Die Arbeitgeber forderten, dass die Gewerkschaften ihre Forderungen nach unten anpassen sollten.

Die Gewerkschaftler fassten es als Provokation auf, dass die Arbeitgeber kein Angebot vorgelegt hätten. Nun reichen die Gewerkschaften diese “Provokation” an die Bürgerinnen und Bürger weiter:

“Beim Auftakt der Tarifverhandlungen am 1. März 2012 in Potsdam haben die Arbeitgeber erneut die Chance verpasst, aus den Fehlern vergangener Tarifrunden zu lernen: Zum wiederholten Male legten sie zu Verhandlungsbeginn kein Angebot vor.”

Ob es auch ein Fehler sein könnte, die Bürgerinnen und Bürger so unter Druck zu setzen, fragen sich die Gewerkschaften nicht. Sie tun das einfach: Und eine Forderung von 6,5 Prozent mehr Gehalt ist utopisch hoch. Will man am Ende die Provokation?

Dabei haben die Verhandlungern erst am 01. März begonnen, heute, am 05. März wird schon gestreikt, die nächste Verhandlungsrunde soll am 12. März stattfinden.

Die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes haben klar ein recht auf Streik, wenn die Arbeitsbedingungen unzumutbar oder im Vergleich sehr viel schlechter sind. Ist das so?

Diese Beschäftigten haben aber eine ungleich höhere Verantwortung als andere Arbeitnehmer, denn sie erhalten ihr Geld über die Steuern von uns Bürgerinnen und Bürgern.

Und diese müssen auch irgendwie rumkommen – allein erziehende Mütter ihre Kinder unterbringen können, Schulkinder müssen transportiert werden und andere ihre Arbeit erreichen.

Man muss von beiden Seiten, Gewerkschaften und Arbeitgebern, mehr Vernunft erwarten dürfen, sonst schwindet das Vertrauen in einen zuverlässigen öffentlichen Dienst.

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Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (47) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • Heddesheimer3

    Hallo Herr Prothmann,
    nach den letzten Tarifverhandlungen ist doch klar, das auch die Bediensteten im öffentlichen Dienst das Recht haben mehr als nur einen Inflationsausgleich an Lohnerhöhung zu erhalten.
    Bedienstete der Automobilindustrie bekommen 4 stellige Sonderzahlungen zum Jahresende und der öffentliche Sektor soll wieder abgespeist werden. Das ist ja wohl nach den Vergangenen Jahren ein Witz. Sie sollten genauer nachschauen was da tatsächlich rum gekommen ist die letzten Jahre. Und die Steuern sprudeln !!

  • Mett

    1. Wenn diese Leute so viel Verantwortung haben, sollte es kein Problem sein, sie ihrer Verantwortung entsprechend zu bezahlen.

    2. Könnte man das auch andersherum sehen: Die Arbeitgeber üben über die Öffentlichkeit Druck auf ihre Beschäftigten aus, indem sie auf die Forderung ihrer Angestellten nicht angemessen reagieren.

    Der Streik ist die einzige Möglichkeit, Druck auszuüben. Dass es bei jemandem hängen bleibt, liegt in der Natur der Sache. Und warum sollen Redakteure streiken dürfen, die für die Gesellschaft eine ebenso wichtige Funktion ausüben? Das ist wahrscheinlich etwas total anderes.

  • albert
  • AndyM

    Hallo Herr Prothmann,
    ich kann mich meinen Vorrednern anschliessen und finde die Streiks richtig. Ich sehe es so, die Steuern sprudeln und die Einnahmen der öffentlichen Hand erreichen Rekordbeträge. Allerdings war durch diese Steuereinahmen die erste Rettung von Griechenland erst möglich.
    Sollte Deutschland sich momentan in einer Rezession befunden haben, wäre es ohne Steuererhöhungen erstmal gar nicht möglich gewesen.
    Wacht endlich auf und verwendet die Milliarden für euer Volk.
    Die 6,5% wird Verdi nicht durchsetzen können; ich gehe davon aus das man sich auf 4% verständigt aber das wäre auch ein Signal. Das ewige Gejammer der Stadtkämmerer kann ich nicht nachvollziehen. Für jedes überfllüssige Prestigeobjekt ist ja auch Geld da.

  • Klaus.E

    Die Wirtschaft brummt die Steuereinnahmen Sprudeln.
    Verivox Entlassungen
    Benz Mannheim Entlassungen
    Heidelberger Druck Entlassungen
    GRAEFF Insolvenz
    Schüchen Insolvenz
    Schlecker Entlassungen
    Solarindustrie Entlassungen
    OPEL ?
    Banken können wir retten, Griechenland können wir retten, einen Bundespräsidenten können wir Jährlich mit 200000€ retten. Die Autoindustrie wurde in der Krise gerettet und zahlt Prämien wie noch nie.
    Wir stehen an der Klippe und sollten einen Zahn runter schalten.