Freitag, 01. August 2014

« »
Schriesheim: Mathaisemarkt startet heute

Alles OK!

Bis zu 40 Meter in die Höhe

Schriesheim 02. MĂ€rz 2012. (red/cr) Die Vorbereitungen des Mathaisemarkts sind beinahe abgeschlossen. Am Vormittag liefern zahlreiche LKW Kisten voll mit BrathĂ€hnchen zum Festzelt, bei den Karussells und Imbisbuden werden die Fassaden poliert und defekte GlĂŒhbirnen ausgetauscht. Alles soll sich fĂŒr die Eröffnung des Marktes um 18:00 Uhr in vollem Glanz zeigen.

Ohne SicherheitsprĂŒfung lĂ€uft nichts

Mit geschultem Blick prĂŒft Wolfgang Serr, Bauingenieur beim Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis, die FahrgeschĂ€fte des Mathaisemarkts. Ein kleiner Tritt mit dem Fuß prĂŒft, ob die Unterpallung (die Holzunterkonstruktion) sicher steht. Dann rĂŒttelt er an dem einen oder anderen GelĂ€nder.

Wolfgang Serr bestĂ€tigt Patrick Blum den ordnungsgemĂ€ĂŸen Aufbau der Circus World

Ist alles soweit sicher, lĂ€ĂŸt er sich die PrĂŒfbĂŒcher zeigen. Ähnlich einer Fahrzeugkontrollle der Polizei, kann er aus diesen BĂŒchern ersehen, ob beispielsweise der Betreiber ĂŒberhaupt berechtigt ist, das FahrgeschĂ€ft zu betreiben oder ob und wann es das letzte Mal durch den TĂŒV abgenommen wurde.

“Fliegende Bauten”

Fliegende Bauten, so werden nach dem Deutschen Instituts fĂŒr Normung (DIN 4112) bauliche Anlagen genannt, die geeignet und bestimmt sind, wiederholt aufgestellt und abgebaut zu werden. Die 50 Buden und FahrgeschĂ€fte auf dem Mathaisemarkt sind solche Bauten.

Karussells und FahrgeschĂ€fte mĂŒssen mindestens alle zwei Jahre durch den TÜV technisch abgenommen werden. Manche sogar jedes Jahr. Die ÜberprĂŒfung durch das Landratsamt erfolgt nach jedem Aufbau, damit Personen befördert werden dĂŒrfen.

Viele Betreiber der FahrgeschĂ€fte sind schon von Kindesbeinen an im GeschĂ€ft. So auch David Pandel. Seit achzehn Jahren ist er selbststĂ€ndig. Das technische Know-How wird einem aber nicht in die Wiege gelegt. Der TÜV bietet fĂŒr Schausteller das “Modul 2″ an, eine spezielle Ausbildung fĂŒr den fliegenden Bau. Zur Sicherheit der FahrgĂ€ste warnen Hinweistafeln vor der Mitfahrt.

Hier ist klar, wer mit darf!

Auch beim Bau der FahrgeschĂ€fte kann auf Sicherheit geachtet werden. Fast alles bei einem FahrgeschĂ€ft sind Sonderanfertigungen. So achtete Achim Zarnikau vom Karussell “Die Montgolfiere” vor allem auf ein EdelstahlgelĂ€nder, um Rost zu vermeiden.

FĂŒr Herrn Decker vom Riesenrad “Jupiter” ist die Sicherheit auch eine Frage der Verantwortung gegenĂŒber dem Kunden. Auch wenn es ab und zu schnell gehen muss. Manchmal muss in nur einem Tag aufgebaut werden. Ebenso schnell muss es wieder zerlegt werden können. Trotzdem stehen die Sicherheitsstandarts an erster Stelle.

Mit dem Riesenrad die Aussicht genießen

Herr Serr weiß genau, was er zu prĂŒfen hat. Seit zwanzig Jahren macht er das schon, hat Fortbildungen besucht und die nötige Menschenkenntnis entwickelt, “um ein schlechtes Gewissen zu erkennen”, wie er sagt. Heute muss er sich aber keine Sorgen machen. Nach der HĂ€lfte der Begutachtungen zieht er erste Bilanz:

Bisher waren alle FahrgeschĂ€fte in einem guten Zustand. Auch die PrĂŒfbĂŒcher waren einwandfrei.

Doch in all der PrĂŒfungsroutine gibt es auch fĂŒr ihn manchmal Neues zu entdecken. So hat auch Wolfgang Serr ein zweistöckiges FahrgeschĂ€ft wie das “KĂ€pt’n Reika” noch nicht gesehen. Stolz fĂŒhrt Betreiber Wilhelm Henn durch alle Ebenen. WĂ€hrend im Erdgeschoss ein Kinderkarussell lockt, bietet die erste Etage in einem Erlebnisrundgang die Möglichkeit etwas zu rĂ€tseln. Herr Henn erklĂ€rt:

Es ist mir sehr wichtig, den Kindern auch pÀdagogisch wertvolle Inhalte zu vermitteln.

Mit RĂ€tselfragen zum Piratenschatz

FahrgeschĂ€ftsbetreiber wie die hier genannten machen Herrn Serr die Arbeit leicht. Aber auch auf die UnterstĂŒtzung des Platzmeisters kann er sich verlassen.

Der alte Haas ist zurĂŒck

Platzmeister Fritz Haas ist zurĂŒck. Nach einem mehrtĂ€gigen Krankenhausaufenthalt wurde er rechtzeitig entlassen, um bei der Abnahme der FahrgeschĂ€fte durch das Landratsamt Rhein-Neckar dabei zu sein. Herr Haas ist mit seinen 70 Jahren noch immer Herr auf dem Platz, der Chef.

SouverĂ€n bereitet er die einzelnen Betreiber auf die Kontrolle vor Anlagen vor und vermittelt, wenn es zu Problemen gibt. Hierbei genießt er sowohl das Vertrauen der Schausteller, als auch der Behörden, die ihn zur KlĂ€rung des ein oder anderen Problems hinzuziehen.

Hinweis: Weitere Artikel finden Sie auf dem Schriesheimblog.de

Moderation von Kommentaren

Die Moderation liegt bei der Redaktion. FĂŒr uns steht fest: Kritische Diskussionen sind erwĂŒnscht, persönliche Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren steht in der Netiquette.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (47) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.